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	<title>Nach dem Bankett</title>
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	<description>Ein Blog über Pop, Kultur und Gesellschaft</description>
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		<title>Nach dem Bankett</title>
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		<title>Ein bisschen Frieden</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 09:57:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svhi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch im Frauen-Fußball dreht sich alles um Tore, Erfolge und Siege. Stimmt, sagen die Hamburger Unionitas. Aber nicht bei uns. An diesem Sonntagmorgen haben die Phalangen keine Lust mehr zu funktionieren. Drei dieser knöchernen Stützelemente gibt es, zu dritt sollen &#8230; <a href="http://svhi.wordpress.com/2011/09/15/ein-bisschen-frieden/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=525&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Auch im Frauen-Fußball dreht sich alles um Tore, Erfolge und Siege. Stimmt, sagen die Hamburger Unionitas. Aber nicht bei uns.</strong></p>
<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/09/gruppe_hero_sc3a4tt.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-529" title="Bild: Daniel Schlegel" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/09/gruppe_hero_sc3a4tt.jpg?w=500&#038;h=275" alt="" width="500" height="275" /></a></p>
<p><span id="more-525"></span>An diesem Sonntagmorgen haben die Phalangen keine Lust mehr zu funktionieren. Drei dieser knöchernen Stützelemente gibt es, zu dritt sollen sie den menschlichen Finger zusammenhalten. Zwei verkeilen sich in Sarahs Mittelfinger, schieben sich in diesem Moment ineinander. Rüde ist die Stürmerin der Unionitas von ihrer Gegnerin im Strafraum gefoult worden. Ein lautes Krachen, für einen Moment taumeln beide Spielerinnen, kämpfen gegen die Schwerkraft. Ein Schmerzensschrei und Sarah knallt frontal auf den gefrorenen Hartplatz. Ist der Finger gebrochen? Nach einer Schrecksekunde greift der Trainer zum Handy, wählt 112. Untermalt vom Gezwitscher der ersten Rotkehlchen, die sich verschlafen den Frost aus dem Gefieder schütteln, biegt wenig später der Krankenwagen auf den Platz. „Die soll sich nicht so anstellen!“, regt sich die Gegnerin von Altona 93 auf. „Normale Hamburger Härte und so.“</p>
<p>Wer die Aggressivität selbst in den Bezirksligen des Frauenfußballs in diesen Tagen verstehen will, macht am besten etwas typisch Deutsches – er analysiert Statistiken. Zweifache und amtierende Weltmeisterinnen, siebenfache Europameisterinnen sind die deutschen Spielerinnen. Was noch wichtiger ist: Der Frauenfußball ist seit Jahren das am stärksten wachsende Segment im heimischen Sport. Zogen die Titelgewinne noch eher belustigte Blicke des Deutschen Fußball-Bundes auf sich, wird ihre wirtschaftliche Macht jetzt ernst genommen. Über eine Million Fußballerinnen sind 2011 in Vereinen registriert, die Zuwachsraten sind zweistellig. Der DFB hofft auf einen weiteren Boom durch die Frauen- WM, denn die Zahl der männlichen Mitglieder sinkt kontinuierlich. Und so erfolgt die Professionalisierung des Frauen-Spielbetriebs bis hinab in die untersten Ligen. Es geht um Tore, Erfolg und um Geld. Es ist das komplette Gegenteil des Ansatzes, den die Unionitas aus Hamburg-Eimsbüttel verfolgen.</p>
<p>„Vorwärts Union, du schaffst das!“ „Los, Unionitas, zusammenhalten!“ Seit fünf Jahren spielen die Frauen des FC Union von 1903 in der Bezirksliga. In der Saison heißt das: jedes Wochen- ende früh raus. Manch- mal verkatert, manchmal krank und fast immer verschlafen. Zwischen 25 und 35 Jahre sind die Unionitas alt, im Schnitt zehn Jahre älter als ihre Gegnerinnen. Kennengelernt haben sie sich in der Uni, inzwischen sind sie Ärztinnen, Juristinnen und Lehrerinnen. Manch eine von ihnen ist nur für die Unionitas in Hamburg geblieben. Wegen dieses Fußballkollektivs, das der Professionalisierung des Sports trotzig den Bolzplatz- Idealismus der elf Freundinnen entgegensetzt.</p>
<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/09/mood_03.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-534" title="Foto: Daniel Schlegel" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/09/mood_03.jpg?w=500&#038;h=406" alt="" width="500" height="406" /></a></p>
<p>Es sind Tage wie dieser, an denen selbst die Sonne keine Lust hat, sich zu zeigen und das Rot des Hartplatzes im noblen Hamburg-Othmarschen so gefroren ist wie die Stimmung des gegnerischen Trainers. Mit Kippe im Mundwinkel und Fünftagebart-Weisheiten stimmt er die Altona-Frauen auf die Unionitas ein. „Durchbeißen!“ „Aggressiv angreifen!“ „Abblocken.“ Hätte sich eine Zuschauerin hierher verirrt, sie würde folgende Szene sehen: Auf der einen Seite steht die Mannschaft von Altona 93, ein zusammengewürfeltes Team aus Zweit- und Drittliga-Spielerinnen. Frau beschnuppert sich, wirft sich abschätzende Blicke zu, die eine oder andere stellt sich erst mal mit Vor- und Nachnamen vor. Auf der anderen Seite die Unionitas. Da wird sich auch während des Spiels gruppendynamisch umarmt oder dem altersschwachen Schiedsrichter freundschaftlich gratuliert, wenn er zufällig den Unterschied zwischen Abseits und Aus erkennt. „Gut gemacht, Schiri!“, ruft Markus, ihr Trainer. In seiner Doppelrolle als Coach und Freund einer Unionita ist er im Einsatz. Mal tröstet er eine Spielerin, die gefoult wurde. Dann muss er beruhigen, weil Hannah, die Mittelfeldspielerin, über die unfaire Aufstellung von Altona 93 weint. Der Trainer von Altona klopft sich derweil die nächste Filterlose aus dem Päckchen.</p>
<p>Die Unionitas sind nett. Gehen nicht in den Ball, treten nicht nach. Diese Bionade- Mentalität schwebt seit ihrer Gründung über ihnen. 2006 traten Hannah, Sarah und die anderen Spielerinnen aus dem Hamburger Hochschulsport aus. Sie hatten genug von den starren Regeln. Wenn die Unionitas auf dem Platz stehen, dann nach eigenen Regeln. Und die lauten folgendermaßen: Erstens darf nur spielen, wer Engagement auch außerhalb des Platzes mitbringt. Also Trikots waschen, an Teamratssitzungen teilnehmen. Die Fahrt zu antirassistischen Fußballturnieren organisieren. Das Trainingslager auf Amrum planen. Zweitens: Wir spielen nicht, um nur zu gewinnen. Wir bleiben fair, auch wenn wir dafür nicht aufsteigen.</p>
<p><strong>&#8222;Warum soll irgend Typ bestimmen, wer wann und welcher Position spielt?&#8220;</strong></p>
<p>Die dritte Regel besagt, dass keinerlei männliche Bevormundung akzeptiert wird, und schon gar keine sexistischen Witze. „Habt ihr noch mehr drauf als schöne Beine?“, gehörte am Anfang zu den harmlosen Sprüchen. Doch „die Kommentare vom Rand haben schnell aufgehört“, sagt Hannah, „als wir denen klargemacht haben, dass wir unser eigenes Ding machen und keine dummen Sprüche brauchen.“ Und so beginnt die Suche nach einem Verein, der die Regeln der Mädels akzeptiert. SC Union 03, ein Hamburger Traditionsverein, bietet schließlich das beste Umfeld. Die Unionitas sind jetzt offiziell – doch der vom Verein aufgestellte Trainer wird abgelehnt. Warum soll irgendein Typ bestimmen, wer wann und auf welcher Position spielt? Seit der Gründung coacht Markus das Team, denn Vertrauen ist wichtig. Auf dem Platz umarmt Torhüterin Elena den Ball derweilen so innig, als wäre er eine Heizdecke gegen sonntägliche Bettflucht und nicht der natürliche Feind einer Torfrau. Es steht 0:1. Die Mütze hängt tief ins Gesicht, die Ringelsocken sind hoch über die Trainingshose gezogen. Elena schlägt den Ball weit ins Mittelfeld. Ein kurzer Pass von Mittelfeld- spielerin Phoebe nach links. Abspiel zu Lena, eine halbe Drehung nach rechts. Eine Spielerin von Altona zerrt an Lenas Unionitas-Trikot, roter Stern auf schwarzem Grund. Lena fällt – der Schiedsrichter rennt keuchend herbei. Nichts gesehen. Robuster sehen die Frauen von Altona 93 aus. Breite Schultern, durchtrainierte Waden und kurze, gefärbte Haare. „Die da drüben spielen wie Studenten“, kaut die Auswechselspielerin von Altona durch ihr Kaugummi dem Trainer ins Ohr.</p>
<p>Tatsächlich funktionieren die Unionitas wie eine südamerikanische Arbeiterkolchose. Bei der Aufstellung, der Taktik und den Trainingslagern entscheidet ein Teamrat von fünf Spielerinnen. Der jährlich neu gewählt wird. „Zwar gibt Markus Auswechslung und Taktik vor“, sagt Lena, „doch letztlich sind Teamrat und Trainer immer gleichberechtigt.“ „Die meisten im Team sind tendenziell links“, ergänzt Phoebe. Frau geht zusammen auf Demos gegen Gentrifizierung, engagiert sich gegen sexuelle Diskriminierung und kickt abseits des Ligabetriebs auf den Bolzplätzen von St. Pauli in gemischten Teams. Drei gegen drei, Männer mit Frauen. Auch das baut Vorurteile ab.</p>
<p>Euphorie hin, Gemeinschaftsgefühl her: Wie in allen guten Revolutionen – und das waren die Unionitas als erstes Frauenteam im Hamburger Fußball, das sich aus Freundschaft heraus gegründet hat – stellt sich auch für sie die Frage, wie es weitergeht, wenn sich die Zeiten ändern. Die Spiele werden rauer, die Gegnerinnen jünger und durstig nach dem Aufstieg. Am Wochenende des Spiels gegen Altona 93 haben die Unionitas ihr fünfjähriges Bestehen gefeiert. Das erste Jahr war ohne Erfolg, kein Spiel wurde gewonnen. Inzwischen sind sie regelmäßige Teilnehmerinnen im Pokal, in der Bezirksliga auf dem zweiten Platz. Zwischen „der Aufstieg ist nicht das Ziel“, sagt Phoebe, und dem Wunsch, dann doch einmal höherwertig statt. Entschieden wird basisdemokratisch.</p>
<p><strong>&#8222;Die Spiele werden rauher, die Gegnerinnen jünger und durstig nach dem Aufstieg.&#8220;</strong></p>
<p>Das bisschen Frieden nutzt nicht immer. Das Spiel gegen Altona verlieren die Unionitas mit null zu zwei. Dafür bekommen sie woanders Ruhm: Die Honorigen des Hamburger Fußball-Verbands e.V. loben jedes Jahr einen Pokal für das Team aus, das „freundlich“ und „fair“ ist, „sich korrekt auf dem Platz verhält“. Zwei Spielzeiten lang ging der Pokal an die Unionitas, wahrscheinlich werden sie ihn auch dieses Jahr gewinnen: Trotz Niederlage, Krankenwagen und jeder Menge geprellter Körperteile fällt auch heute kaum ein böses Wort bei den Unionitas. Hauptsache, das Team hat gut zusammen- gespielt. Die Herren des Hamburger Fußball-Verbandes .haben da snoch nicht so ganz begriffen: Bei ihrer Fairness-Pokal- Verleihung bekommt immer nur eine Spielerin eine Einladung. Der Rest des Teams darf draußen vor der Tür feiern.</p>
<p><em>Zuerst veröffentlicht in dem <a href="http://missy-magazine.de/" target="_blank">Missy-Magazin</a>, Juli 2011.</em></p>
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<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/svhi.wordpress.com/525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/svhi.wordpress.com/525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/svhi.wordpress.com/525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/svhi.wordpress.com/525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/svhi.wordpress.com/525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/svhi.wordpress.com/525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/svhi.wordpress.com/525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/svhi.wordpress.com/525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/svhi.wordpress.com/525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/svhi.wordpress.com/525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/svhi.wordpress.com/525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/svhi.wordpress.com/525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/svhi.wordpress.com/525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/svhi.wordpress.com/525/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=525&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Neuschwanstein am Atlas</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 21:02:26 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nirgends leben die Europäer ihren Traum von 1001 Nacht so aus wie in der Medina von Marrakesch. Inzwischen gehören ihnen fast alle hochwertigen Häuser. Was lange Zeit funktioniert hat, wirft nun Schatten. Es ist die dunkle Seite des Paradieses. Manches &#8230; <a href="http://svhi.wordpress.com/2011/04/13/neuschwanstein-am-atlas/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=502&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;"><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/04/2598463289_6573345219_z.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-504" title="Flickr" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/04/2598463289_6573345219_z.jpg?w=500&#038;h=333" alt="" width="500" height="333" /></a><strong>Nirgends leben die Europäer ihren Traum von 1001 Nacht so aus wie in der Medina von Marrakesch. Inzwischen gehören ihnen fast alle hochwertigen Häuser. Was lange Zeit funktioniert hat, wirft nun Schatten. Es ist die dunkle Seite des Paradieses.</strong><span id="more-502"></span></span></p>
<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Manches von dem, was hier erzählt wird, kann nur angedeutet werden. Hinter den Mauern der Riads geschehen Dinge, von denen auf dem berühmten Marktplatz der Stadt, dem „Platz der Gehenkten“, der <a href="http://www.marrakech-info.com/marrakech/sehenswuerdigkeiten_marrakech.htm" target="_blank">Jemaa-el-Fna</a>, jeder weiß, doch kaum einer ausspricht. Zu groß ist das Risiko die Aufmerksamkeit der Touristenpolizei, oder gar den Zorn des marokkanischen Königs, auf sich zu ziehen. Dies ist die Geschichte der heimlichen Herrscher von Marrakesch: der Ausländer. Sie basiert auf Sprachlosigkeit.</span></p>
<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Als sich 1998 erstmals ein Team um den Mainzer Geographieprofessor <a href="http://www.staff.uni-mainz.de/escher/" target="_blank">Anton Escher</a> aufmacht, ausländische Besitztümer in der Altstadt zu untersuchen, stoßen sie hauptsächlich auf Künstler, Aussteiger und Geschäftsleute. Knapp über 100 Franzosen, Belgier, Spanier, Italiener und Schweizer haben sich in der Medina von Marrakesch niedergelassen. Elf Jahre und drei Erhebungen später wohnen 2160 Ausländer in den engen Gassen, ein Ende des Booms ist laut Escher nicht in Sicht. Im Gegenteil: Auch betuchtes Klientel aus dem Nahen Osten und Russland entdeckt neuerdings das milde Klima vor dem Atlasgebirge. Den Großteil der „Residents“, der neuen Einheimischen, stellen jedoch die Deutschen. Hunderte haben eines der kleinen, luxuriösen h</span><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">ôtels de charme eröffnet, andere ein Restaurant, eine orientalische Apotheke oder ein Souvenir-Shop. Der neuste Trend sind Wellness-Tempel, alles authentisch orientalisch.</span></p>
<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Marrakesch ist 2011 dort angekommen, wo es König Mohammed VI in seiner Vision, den „<a href="http://www.marokko.biz/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=129:erwachen-im-morgenland-marokko-ist-zur-zeit-ein-ort-fuer-gute-geschaefte&amp;catid=41:investitionslandschaft&amp;Itemid=140" target="_blank">Plan Azur</a>“, zehn Jahre zuvor verortet hat: In den Hochglanz-Seiten der Airline-Gazetten, den Coffeetable Books, den „Schöner wohnen“-Postillen und den Trend-Seiten internationaler Modemagazine.</span></p>
<p>„<span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Mo 6“, wie ihn seine Untertanen nennen, hat dafür eine neue Infrastruktur, gesetzliche Erleichterungen und eine Werbekampagne spendiert. Wie kaum ein anderer Ort in der Welt lebt </span><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">die Stadt in der marokkanischen Hochebene von ihren Mythen: Der Verheißung des Orients, den Legenden der Könige und den Grausamkeiten des Sklavenhandels, dem Luxus der französischen Kolonialzeit. Es fremdelt den Touristen wohlig, wenn sie zwischen Schlangenbeschwörern und Trommeln über den abendlichen Jemaa-el-Fna flanieren, an den Garküchen vorbei, um dann erschöpft in ihr Riad heimzukehren, wo sie die westlichen Standards genießen: Toiletten in DIN-Norm vor marokkanischen Fliesen, Wireless LAN auf der Dachterrasse.</span></p>
<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;"><strong>Missbrauch, Drogen, Prostitution: Worüber nicht geredet wird, das existiert nicht</strong></span></p>
<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Doch wie in den Märchen aus 1001 Nacht, die sie in unzähligen Variationen auf dem Platz der Gehenkten erzählen, muss am Ende immer irgendwer bezahlen. In der Realität von Marrakesch sind es die Einheimischen. Denn die Ausländer, sind nicht nur Freunde. Prostitution von Minderjährigen, Drogen und windige Immobiliengeschäfte – „Marrakesch“, so titelt die Zeitung „Die Welt“, ist auch „die neue Metropole für billigen Sex.“</span></p>
<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Als die französischen Kolonialherren 1956 Marokko verlassen, ist die Medina ein Ort des Handels. Ob Kamel, Safran oder Kleinkind, alles nur eine Frage des Preises. Einheimische, die es sich leisten können, ziehen in die „villes nouvelles“, Vorstädte, die die Besatzer hinterlassen haben. Die Nachbarschaft ist dort sicher. Die Medina dagegen ist dreckig, laut und arm. Sie übt aber einen unwiderstehlichen Reiz auf die Ausländer aus, die auf der Suche nach „Authentizität“ und „Fremdartigkeit“ den europäischen Kontinent verlassen. Männer wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/William_S._Burroughs" target="_blank">William Borroughs</a> oder <a href="http://www.vogue.de/biografien/yves-saint-laurent/0/1276.html" target="_blank">Yves Saint Laurent</a>. „Es ist ein Klientel“, sagt Escher, „die einen Lebensraum sucht und sich verwirklichen will, wie es im restriktiven Europa nicht möglich ist. Von Anfang an viele Homosexuelle, die sich letztendlich in einer Gesellschaft, die über Homosexualität nicht redet, ausleben können. Die darüber nicht redet, weil das ausgesprochene nicht existiert.“ Das Riad, im arabischen auch „Abbild des himmlischen Paradies“ genannt, entpuppt sich als Traum und Alptraum zugleich: Hinter den hohen, schmucklosen Mauern öffnet sich ein weitverzweigter Wohnbereich, indem die Bewohner keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Traditionell sind die orientalischen Stadthäuser Hoheitsbereich der Familie. Im schlechtesten Fall sind sie eine Spielwiese für Missbrauch und Ausbeutung.</span></p>
<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Doch es sind nicht nur Grenzgänger, die sich in der Medina niederlassen. Ab den 1990er Jahren kaufen Liebhaber wie Herwig Bartels, der ehemalige deutsche Botschafter in Marokko, ganze Gebäudekomplexe in der Medina. Sie wollen „das Riad so restaurieren, wie es im 19. Jahrhundert eventuell ausgesehen haben könnte“, sagt Escher. Die neuen Bewohner versuchen sich zu integrieren. Wenn sie in ihren Riads Strom verlegen, schließen sie auch gleich die ganze Straße an. Sie verwenden einheimische Materialien und sind stolz auf die „authentische“ Restaurierung.</span></p>
<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/04/riad2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-515" title="Window &amp; Bowls with pattern" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/04/riad2.jpg?w=500&#038;h=334" alt="" width="500" height="334" /></a></p>
<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Und dann geht es schnell: Als die ersten Airlines Billigflüge nach Marrakesch anbieten, kommen die </span><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">maisons d&#8217;hôtes in Mode, Medien entdecken Marrakesch als „orientalischen Traum“, und schon bald explodieren die Preise für Riads. Das Angebot ist begrenzt.</span><span style="font-family:'Times New Roman', serif;"> Anfang des neuen Jahrtausends sind fast alle Filetstücke, rund 1000 höherwertige Häuser, in ausländischer Hand. Das orientalische Stadthaus kostet jetzt ab eine Millionen Euro, Preise die Finanzinvestoren auf den Plan rufen. 2003 herrscht Goldgräberstimmung in der Medina. 30 bis 40 Prozent Rendite winken beim Kauf eines Riads. Scheinbar nichts hält den Lauf auf, weder Terroranschläge noch Finanz- und Weltwirtschaftskrise. „Wir beobachten den Trend, dass die Leute auch durch schlechte Nachrichten auf Marokko aufmerksam werden“, sagt Dirk Pfeil vom Reisebüro „Marokko“. Sie hätten den Effekt, dass die Leute sagen: Marrakesch, da wollte ich schon immer mal hin.“</span></p>
<p><strong>Traum oder Alptraum: Marrakeschs Altstadt ist fest in europäischen Händen</strong></p>
<p>„<span style="font-family:'Times New Roman', serif;">In der Medina“, sagt Escher, „läuft nichts mehr ohne die Europäer.“ Wie auf dem Jemaa-el-Fna. 2001 wurde er von der UNESCO auf Drängen der neuen Residents als Meisterwerk der Menschheit deklariert. Die Marokkaner hofften auf ein Parkhaus unter dem Platz, die Ausländer dachten mal wieder an 1001 Nacht. Der König entschied: keine Tiefgarage, dafür ein ordentlich gepflasterter Platz. Oder die neugebaute Moschee. Nach Protesten des Vereins „Freunde der Altstadt“ – fast alles Ausländer – musste die bereits errichtete Betonhülle zurückgebaut werden, weil sie den Richtlinien des Weltkulturerbes widersprach.</span></p>
<p><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Aber während die Präsenz der Europäer auf der einen Seite die Fassade aufrecht erhält, werden an anderer Stelle Mauern eingerissen. Zwar lautet noch immer der marokkanische Imperativ auch von Staats wegen: Worüber nicht gesprochen wird, das existiert nicht. Doch einheimische Medien haben begonnen vermehrt über Kindesmissbrauch und Prostitution zu berichten, und seit einiger Zeit gibt es die Bewegung „Fass’ mein Kind nicht an“. Ein Tabubruch über den sich nicht alle freuen. Kürzlich hat der König ein marokkanisches Magazin, das offen über homosexuelle Ausländer in der Medina berichtete verboten. Die Schatten des Paradieses sind im Plan Azur nicht vorgesehen. Marrakesch, soll dem Jetset ein orientalisches Abenteuer bieten, einen behaglichen Rückzugsort, ein Luftschloss, ein Lustschloss. Und so bauen die Europäer weiter an ihrem kolonialen Erbe hinter dem Platz der Gehängten, einem Paradies mit weißgekalkten Mauern.</span></p>
<p><em><span style="font-family:'Times New Roman', serif;">Zuerst veröffentlicht im aktuellen zenith-Magazin 1/2011.</span></em></p>
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		<title>„Never mind the crisis&#8220;</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Feb 2011 22:16:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svhi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film, Musik und Kunst]]></category>
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		<description><![CDATA[Als ein Zitat geboren, heute die meist-zitierte Bewegung der Popkultur: Punk ist stumpf, beliebig und überholt – und warum das alles nicht stimmt. Die Einleitung zu diesem Text finden Sie im Kiosk Ihres Vertrauens. Hinten rechts in der Männerecke, zwischen &#8230; <a href="http://svhi.wordpress.com/2011/02/03/%e2%80%9enever-mind-the-crisis/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=482&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/01/sp_a0434.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-486" title="Bild: svhi" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/01/sp_a0434.jpg?w=500&#038;h=375" alt="" width="500" height="375" /></a>Als ein Zitat geboren, heute die meist-zitierte Bewegung der Popkultur: Punk ist stumpf, beliebig und überholt – und warum das alles nicht stimmt.</em></p>
<p><em><span id="more-482"></span></em>Die Einleitung zu diesem Text finden Sie im Kiosk Ihres Vertrauens. Hinten rechts in der Männerecke, zwischen Lifestyle und Wirtschaft. Seit knapp einem Jahr liegt dort eine neue Zeitung – gestartet ist sie mit einem Manifest. Es ist das Magazin „für Männer, die etwas bewegen und Erfolg haben wollen. Für die ein Job mehr ist als ein Job, weil er ihr Leben definiert und sie antreibt. Männer, die bereit sind, sich für ein Projekt reinzuknien. Für die Uhrzeiten nur eine Art Richtgeschwindigkeit sind und Schlaf ein notwendiges Übel, weil sie nach Büroschluss lieber mit Kollegen und Freunden feiern. Auch mal bis in den frühen Morgen.“</p>
<p>Never mind the crisis – here’s Business Punk. Auf dem ersten Cover des Männermagazins im Oktober 2009 streckte Richard Branson, 60, dem Leser die Zunge raus. Sein erstes Geld hat der Engländer mit der Plattenfirma Virgin Records gemacht, inzwischen gehört ihm unter anderem eine Fluglinie, ein Formel 1- Team und ein Space-Shuttle, mit dem er demnächst Touristen in den Weltraum schießt. Er ist 5,5 Milliarden Dollar schwer,die Queen hat ihn im Jahr 1999 zum Ritter des Empire geadelt. Im Innenteil des Hefts gibts ein Foto von Branson beim Wasserskifahren. Geiler Typ: Eine nackte Blondine sitzt dabei auf seinem Rücken.</p>
<p>Für Anja Rützel, Redakteurin beim Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, ist dieser Mann Punk. Rützel hat Business Punk zusammen mit einem Kollegen erfunden und bei G&amp;J auf den Markt gebracht, im Herbst erscheint nun die dritte Ausgabe<strong>.</strong> Befragt nach den Vorbildern für das Magazin sagt sie: „Jemand hat unser Heft mal als „Bravo für BWL-Studenten“ bezeichnet. Für mich ist das keine Beleidigung, Wir wollen genauso ein Lebensgefühl bedienen, wie es Bravo und Neon für ihre Zielgruppen gelingt.“ Ein echter Mann lebt am Limit. „Work hard, play hard“ ist das Motto von Business Punk.</p>
<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0314.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-489" title="Bild:svhi" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0314.jpg?w=500&#038;h=375" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Über das Magazin kann man sich aufregen und es zerreißen, wie es Der Spiegel, die Frankfurter Allgemeine und die tageszeitung in seltener Einigkeit gemacht haben. Die sind aber auch nicht gerade als Rebellen bekannt. Schiebt man diese Prügel also beiseite, ist Business Punk vielleicht genauso viel oder wenig Punk wie Hausbesetzer, Street-Art und Elektroparties. Punk ist die einflussreichste Entwicklung, die in der zeitgenössischen Kultur stattgefunden hat und immer noch stattfindet. Und alles beginnt mit dem „Nein“ des berühmtesten Schwiegersohns der Musikgeschichte.</p>
<p><strong>„MeDecade“</strong></p>
<p>Mit den Beatles ein Portrait über Punk zu beginnen, ist, als würde eine Grippe mit dem Husten von letztem Jahr erklärt werden: Sie waren ein Symptom, aber nicht die Ursache. Und doch ist der 10 April 1970, als Paul McCartney eine dürre Mitteilung an die englische Presse schickt, ein erstes Anzeichen für eine Krise, die der Autor Tom Wolfe 1976 als die <em>Me</em> <em>Decade</em> bezeichnen wird.</p>
<p>An jenem Tag im April hat Paul McCartney die Schnauze voll. 1968 ist vorbei, Elvis ist dick geworden und gibt Shows in Las Vegas, überall übernehmen Gurus aus Indien die Lebensplanung von Popstars. Paul McCartney hat keine Lust mehr, Teil eines Kollektivs zu sein. Er will nie wieder der liebe Schwiegersohn sein, nicht mehr im Schatten von John Lennon stehen. McCartney will sich nur noch auf sich konzentrieren. So verfasst er eine Pressemitteilung: Ob die Beatles noch weitere Konzerte planen? Nein. Ob sie noch eine Platte aufnehmen wollen? Nein. Wird es die Beatles weiterhin geben? Nein.</p>
<p>Mit McCartneys „No“ zum Kollektiv zieht die <em>Me</em> <em>Decade</em>, wie der Schriftsteller Tom Wolfe die amerikanische Gesellschaft der 1970er bezeichnet, in die Musikgeschichte ein. Neue Bands wie Genesis oder Yes betreten die Bühne und strapazieren das Publikum mit endlosen Schlagzeugsoli und wabernden Synthesizer-Orgien. Und während in Boston die Straßen bei Rassenunruhen brennen, sich die amerikanischen Truppen unter blutigen Verlusten aus Vietnam zurückziehen und in Washington Präsident Nixon über die Watergate-Affäre stürzt, werden die Hits in den Charts immer länger, die Texte immer selbstvergessener. Die Amerikaner wenden sich von der Politik ab und verlieren sich in der sexuellen Revolution, im Konsum, beim Psychiater und in Sekten. Den Soundtrack dazu liefern die Eagles, Elton John – und Paul McCartney. <em>Me</em> <em>Decade</em> bedeutet: Ich, ich, ich, lass uns über mich reden. Die Folge: Anfang der 1970er ist in Amerika alles „irgendwie“, formlos und undefiniert, auf der Suche.</p>
<p>Dass sich mit dem „irgendwie“ sehr gut Geld verdienen lässt, erkennt der damals 23jährige Richard Branson. Er belastet seinen ersten Virgin-Laden in der Londoner Innenstadt mit einem Kredit und baut ein Haus auf dem Land in ein Tonstudio um. Zwischen Räucherstäbchen und Dorfidylle nimmt die neue Generation Hippies hier ihren eklektischen Synthesizer-Pop auf. Millionen Menschen kaufen 1973 Bransons erste Veröffentlichung, eine 48-minütige innere Nabelschau namens „Tubular Bells“ von Mike Oldfield.</p>
<p><strong>„Never trust a hippie“</strong></p>
<p>In das Vakuum, das die Generation Friede,Freude,-Eierkuchen produziert hat, stößt auch der Boutique-Besitzer Malcolm McLaren. Will Branson lediglich Schallplatten verkaufen, sucht sich McLaren gleich die ganz großen Fragen aus: Wogegen rebellieren, wenn alles ausdiskutiert ist? Wofür kämpfen, wenn die Welt-Revolution gescheitert ist? Auch in Groß-Britannien wacht eine demoralisierte und ernüchterte Nation aus ihrem LSD-Trip auf und der McLaren, dessen Laden in London nur wenige Meilen von Bransons Virgin-Store entfernt ist, ist sich sicher, die Antwort auf alle Fragen gefunden zu haben: Punk.</p>
<p>Im Jahr von “Tubular Bells” versucht sich McLaren in New York als Manager der New York Dolls, einer Punkband der ersten Stunde. Der Brite ist fasziniert von der dunklen Seite Amerikas, einer aufblühenden Sado-Maso-Szene, der Rohheit und Gewalt des Undergrounds. Am Ende scheitert McLaren am mangelnden Geschäftssinn der Szene: Will er die New York Dolls in kommunistische Uniformen stecken und sie auf Tour schicken, wollen diese am liebsten nur Heroin spritzen und abhängen. McLaren, der als Spießer belachte, wird gefeuert und kehrt zurück nach London. Doch die entscheidende Inspiration hat er aus New York mitgenommen: Die Idee, das jeder ein Star sein kann, und die Verachtung für alles Althergebrachte.</p>
<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a02921.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-491" title="Bild: svhi" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a02921.jpg?w=500&#038;h=375" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>„Gib mir drei Bands und ich forme dir eine Bewegung“, verkündet er seiner Lebensgefährtin Vivienne Westwood. Neben ihrem Laden proben ein paar käsige Jungs unter dem Namen „London SS“. Abends hängen die Jungs bei McLaren rum, begaffen die zerissenen T-Shirts, hautengen Bondage-Klamotten und „Fuck the Authority“-Buttons, die sich nicht leisten können. Protest, und das ist für McLaren von Anfang an klar, ist auch immer eine Frage des Preises. Aus London SS spalten sich The Clash und The Damned ab. McLaren bietet sich als Manager der dritten Band an. Ihr Name: The Sex Pistols. Am 1. April 1976 erscheint die erste Single „Anarchy in the UK“.</p>
<p><strong>„Londons burning with boredom now“</strong></p>
<p>Rotz , Blut und jede Menge Geschrei: Das Auftreten des englischen Punks hat alles, was eine aufsehenerregende Geburt mit sich bringt. Genauso schnell, wie sich die Sex Pistols gründeten, wurden sie auch berühmt. Ihr erster Fernsehauftritt im Dezember 1976 ist ein Eklat: Ein sichtlich angesoffener Moderator Bill Grundy und die Band beschimpften sich gegenseitig. Die Pistols waren als Vertretung für die Queen in letzter Sekunde in die Show gerutscht: Ein paar Mal „Fuck“ sagen reichte aus, um sie über Nacht zum Staatsfeind Nummer Eins zu machen. Am nächsten Morgen druckt die „Sun“ den Leserbrief von einem Handwerker, der aus Wut über den Auftritt in seinen Fernseher getreten hatte.</p>
<p>Aggression ist das vorherrschende Element. Wut gegen die Musik-, Kunst- und Literaturszene, die nur eine Mehrheitsmeinung zulässt. Und es ist ein Kampf gegen die Langeweile. „Londons burning for boredom now“ singen The Clash. Mit drei Akkorden brechen die Bands die Perfektion der Beatles und dem Gute-Laune-Pop von Elton John. Punk, das ist Stadterfahrung. Für Jugendliche ist es die bedrückende Enge der englischen Vorstadtghettos, die die Realität der Post-Hippie-Generation darstellt. Die Sex Pistols sind ihr Sprachrohr. Es ist die Frustration über ein politisches Klima der Angst, Repression und Unterdrückung. In den 1970er wird Terror mit Terror bekämpft und die Irisch-Republikanische Armee (IRA) überzieht Groß-Britannien mit Anschlägen. Bands wie die Sex Pistols reagieren, in dem sie die Embleme des Terrors verwenden, Hakenkreuze und IRA-Logos, der Queen auf einem Poster eine Sicherheitsnadel durch die Nase stecken. Sie sind nicht politisch, sie verwenden die Symbole, um zu schockieren. Sie fordern ein „Alle gegen Alle“: Die kulturelle Anarchie.</p>
<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0380.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-492" title="Bild: svhi" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0380.jpg?w=500&#038;h=375" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Später behauptet Malcolm McLaren dass er Punk im Alleingang erfunden und kurz danach ruiniert hat. In atemberaubender Geschwindigkeit lässt er die Sex Pistols drei Verträge bei drei Plattenfirmen unterschreiben. Die Pistols kotzen bei EMI auf den Tisch, plaudern Vertragsdetails über ihren zweiten Deal bei A&amp;M Records aus. Nach den beiden Rauswürfen ist nur noch eine kleine Klitsche aus London, die ihr Geld mit Hippie-Pop macht, bereit, den Sex Pistols ihr Album zu finanzieren: Virgin Records.</p>
<p>Mit „Never mind the bollocks“ veröffentlicht Richard Branson 1977 eine der wichtigsten Aufnahmen des 20ten Jahrhunderts. Branson erkennt als einer der ersten das wirtschaftliche Potential von Punk: Bald ist ganz England mit mit Anzeigen und Plakaten tapeziert, die die neuen Ausdrucksformen des Punks (Collagetechnik, Sprühschablonenschrift) verwenden. Zum Geburtstag der Queen schippert Branson mit den Pistols über die Themse und beschallt London. Die Öffentlichkeit ist schockiert, die Pistols steigen auf Platz Eins der Charts. Wenn es Business Punks gibt, dann sind Malcolm McLaren und Richard Branson die Prototypen.</p>
<p><strong>“Ich schau mich um und seh nur Ruinen”</strong></p>
<p>In Deutschland ist Punk zunächst eine Feierabendbewegung. Die Szene konzentriert sich auf Düsseldorf und eine Handvoll Auszubildender, die sich nach der Arbeit im Ratinger Hof, einer Kneipe in der Altstadt, treffen. Es ist der „Deutsche Herbst“: An jeder Bushaltestelle, in jeder Straßenbahn hängen die Fahndungsplakate mit den Gesichtern der Roten Armee Fraktion (RAF). Helmut Schmidt regiert die Republik per Krisenstab, die RAF ermordet Generalstaatsanwalt Siegfried Buback. In Stammheim erhängen sich Andreas Baader und Gudrun Ensslin und der Bundesbürger igelt sich in seinem Wohnzimmer ein und schaut „Tatort“. Einen Ausbildungsplatz, ein Reihenhaus, eine Familie. Währenddessen steht der Nachwuchs vorm Spiegel, macht sich die Haare mit Pomenade schön und tanzt mit John Travolta zu „Saturday Night Fever“.</p>
<p>„Ich schau mich um und seh‘ nur Ruinen“, singt Peter Hein von den Fehlfarben 1980 in das Stakkato der Instrumente. Abgehackt. „Vielleicht liegt es daran, dass mir irgendetwas fehlt.“</p>
<p>Mehr als die englischen Bands ist der deutsche Punk die „Antithese zum Vorher“, sagt Autor Detlef Diedrichsen. Für einen kurzen Moment in der Popkultur kommt die eigene Entwicklung mit der Umwelt zusammen. Warum soll Peter Hein, hauptberuflich Lehrling, über Südseestrände und ferne Galaxien singen, wenn er jeden Tag vorbei an Atomkraftwerken und riesigen Industriearrealen zur Arbeit fährt? Unmittelbarkeit. Authenzität. Die Selbstbestimmung des Lebens. „Hier bin ich, dass muss reichen. Blitzschnell, laut, hart. Hier habt ihr mein Bewusstsein. Kommt unter der behaglichen Schmusedecke hervorgekrochen und stellt euch der Kälte, die euch umgibt.“ Bewundern die Hippies den Sonnenuntergang, findet der deutsche Punk das Kraftwerk vor der verschwindenden Sonne gut. Für die deutschen Bands geht es nicht nur um Rebellion, Provokation, nein: Sie wollen etwas komplett Neues erschaffen.</p>
<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0293.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-493" title="Bild: svhi" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0293.jpg?w=500&#038;h=375" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Peter Glaser, damals oft im Ratinger Hof in Düsseldorf, sagt „Der Hippie suchte ständig nach einem Sinn, den er notfalls seinen Eltern verklickern konnte. Punk dagegen hieß, die noch nicht vom Sinn besetzten Orte ausfindig zu machen.“ Der Ratinger Hof ist die Geburtsstätte dieser neuen Ästhetik. Es ist eine Ästhetik gegen ihre Eltern, die Rechtskonservativen und gegen das Antiestablishment, die Linken. Und so sind auf den Covern der ersten Fanzines wie „The Ostrich“ RAF-Symbole in trauter Eintracht mit Fotos von Hitler und Göring zu finden. Wenn die Sex Pistols mit einem Hakenkreuz auf den T-Shirt im Fernsehen auftreten, trägt die Deutsch-Amerikanische Freundschaft (DAF) aus Düsseldorf SS-Uniformen bei ihren Auftritten.</p>
<p><strong>“Tanzt den Adolf Hitler”</strong></p>
<p>„Geh in die Knie/ und dreh dich nach rechts / und dreh dich nach links / klatsch in die Hände / Und tanzt den Adolf Hitler / Und tanzt den Mussolini / Und jetzt den Jesus Christus.“</p>
<p>Ironie über die Konsumgesellschaft, dazu ein Skelett aus Rhythmusbruchstücken. Die Deutsch-Amerikanische Freundschaft ist „Körpermusik“, harte, dynamische Klänge, die sich nicht um das Strophe-Refrain-Schema kümmert. Der Drumcomputer gibt den Takt vor, bewusst wird mit der herkömmlichen Struktur des englischen Punk gebrochen. Schlagzeug, Gitarre und Bass ist Hippie und in der Kälte der modernen Punk-Stadt tauchen die ersten Anklänge zum Elektro auf. „Zurück zum Beton“ gibt die ebenfalls aus dem Ruhrpott stammende Punkband S.Y.P.H die Lösung vor. Punk ist ein Reflex auf die unmittelbare Umgebung und nicht der Rückzug in die eigenen vier Wände.</p>
<p>Von den drei Akkorden der Sex Pistols ist es ein logischer Schritt zum Elektro-Punk bei DAF. Was die geschockten Eltern als puren Dillentantismus einer verwirrten Jugend empfinden, ist kein Unvermögen, sondern eine bewusste Reduzierung. Nur durch die Akzeptanz der Synthetik des modernen Lebens, durch die Reduzierung von Sprache und Musik können in den Augen der Punks Klischees vermieden werden. Nur so wird eine eigene Ausdrucksform geschaffen. Der Landlust der Hippies und der gedrechselten Kunstsprache der Intelligenz schleudert Punk rohe und unmittelbare Texte entgegen: „I didn&#8217;t ask for sunshine and I got World War three.“</p>
<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0164.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-494" title="Bild: svhi" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0164.jpg?w=500&#038;h=375" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Im Gegensatz zu anderen Jugendbewegungen nutzt Punk zwar die technischen Mittel der vorherrschenden Industrie, lehnt aber ihre Vertriebswege ab. Punk wird möglich durch Rank Xerox, dem weltweiten Marktführer für Kopierapparate. Aus der „Sun“, dem „Daily Mirror“ und der „Times“, den Herrschern des britschen Zeitungsmarktes, schneiden sich die Punks Bilder und Buchstaben aus, kleben sie auf und jagen sie durch den Kopierer. So entsteht die „Erpresser-Schrift“, die Collagentechnik. Sie fertigen Fanzines in minimaler Auflage, um sich ohne Zensur der Presse auszudrücken. Mit einer Bandmaschine, entwickelt für die Monopolisten der Musikindustrie, können die Punks billig Kassetten aufnehmen. Überall werden kleine Labels gegründet, so wie es einst Richard Branson mit Virgin Records vormachte. Die Punks eignen sich die bestehenden Techniken und Formen an, ahmen sie nach und fügen sie neu zusammen – eine eigene Kunstform des Kopieren und Einsetzens ersteht. Das Zitat als Ausdruck der Eigenständigkeit.</p>
<p>Das wichtigste Element des Punk ist die Kontrolle über die eigene Existenz. Die MeDecade, die Nabelschau der eigenen Befindlichkeit, wird pervertiert und verhöhnt. Punk ist der Vorschlaghammer einer neuen Individualität. Das Ich erfährt sich durch äußerliche „Verunstaltung“ wie gefärbte Haare, zerrissene Kleidung und natürlich Selbstzerstörung. Durch die Mißachtung des eigenen Körpers wird signalisiert: Ich – und nur ich alleine – bestimme, wie ich aussehe und was ich bin.</p>
<p>In der Zeit von 1976 bis 1982 schaffen sich die Punks ihre eigenen Codes. „Es ist völlig uninteressant,“ sagt Hollow Skai, der damals auch in Düsseldorf dabei war und mehrere Bücher über die Zeit geschrieben hat, „ob die Sex Pistols die wahren Initiatoren des Punks gewesen sind oder ob sie nur künstlerische Momente zitiert haben.“ Punk ist ein rechtsfreier Raum, in der sich jeder beim anderen bedient. Es geht nicht um ein Fertigprodukt, sondern um den Prozess, um „Copy and Paste“.</p>
<p><strong> „Ich bleibe stumpf mein Leben lang“</strong></p>
<p>Genau dieser Moment des „kreativen Zerstörers“, wie es Anja Rützel vom Magazin Business Punk ausdrückt, ist es, der Punk so beliebig macht. Die Punks greifen sich jene Elemente der Gesellschaft auf, die für ihre Zwecke nützlich sind und schmeißen den Rest auf den Müll. Das ist so ziemlich der Vorwurf, der auch dem Magazin Business Punk gemacht wird. Sie nehmen sich die Wurst und lassen das Brot liegen. Umgekehrt wird also auch ein Schuh draus: Wer Business Punk verdammt, sagt viel mehr über sich als über das Magazin aus.</p>
<p>Das ist kein Wunder, denn versteht man Punk politisch, funktioniert er nur über Abgrenzung. Punk ist gegen die Konservativen, gegen den Staat, gegen die Yuppies. Und was sich abgrenzt, will einen Zustand aufrechterhalten, der keine gravierenden Veränderungen zulässt. Und so gibt es zwangsläufig  Puristen, die Punk musealisieren, obwohl kaum eine Stilrichtung sich so wenig für eine Dauerausstellung eignet wie Punk. Ein Schauer jagt einem über den Rücken, sieht man heute Bands wie die Hamburger Slime, die sich nach Jahrzehnten wieder zusammenfinden, um mit Bierbauch und Solariumbräune „Brüllen, zertrümmern und weg“ anzustimmen. Frühere Protagonisten der Szene wie die Fehlfarben verweigern sich dementsprechend konsequent, heute über damals zu sprechen oder ihre Rolle als Punks zu beschreiben.</p>
<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0277.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-495" title="Bild: svhi" src="http://svhi.files.wordpress.com/2011/02/sp_a0277.jpg?w=500&#038;h=375" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Denn nichts ist weniger dazu geeignet, um in Würde alt zu werden, als Punk. Wohl niemand wusste das besser als Malcolm McLaren, der die Bewegung in den Augen der Puristen schon verraten hatte, bevor sie erst richtig losging. Ironisch bis in den Tod. Auf dem Sarg von Malcolm McLaren, der im Juni 2010 starb, steht gesprüht: Zu schnell um zu leben, zu jung um zu sterben. McLaren hat in den 1970ern den Spruch berühmt gemacht. Denn es gibt keine Historie, die so sehr die Gescheiterten stilisiert und die Erfolgreichen verdammt, wie die Musikgeschichte. Wer überlebt, wendet sich ab und erweitert sich als Punk über seine ursprüngliche Definition heraus. McLaren gilt als Verräter am Punk – von Richard Branson, der die Ästhetik ungefragt als erster für seine weltweiten Promotionkampagnen eingesetzt hat, gar nicht erst zu sprechen. Fortschritt, wie es die Fehlfarben mit ihrer berühmstesten Textzeile „Es geht voran“ ironisch gebrochen haben, ist verpönt.</p>
<p>Punk ist heute alles und nichts. Es ist ein Platz, der neu zu besetzen ist. Punk funktioniert nur im rechtsfreien Raum und so bedienen sich alle und jeder – wie viele Kreative berufen sich heute auf „ihre Punk-Vergangenheit“? Wie damals ist Punk keine einheitliche Bewegung, sondern gibt Personen eine Ausdrucksform für ihr momentanes Lebensgefühl. Und so ist Punk das „irgendwie“ dagegen sein, ein „irgendwie“ das fatal an die MeDecade erinnert, gegen die Punk angekämpft hat.</p>
<p>Das Treffen mit Anja Rützel von Business-Punk findet im Hamburger Schanzenviertel statt – Deutschlands größtes Freilichtmuseum einer Generation, die nicht erwachsen werden will und nicht erwachsen werden darf. Man kann keine hippen Sonnenbrillen verkaufen, wenn man nicht das Lebensgefühl dazu verkauft. Die Rote Flora, das besetzte Haus, wirkt wie eine Remminessenz  an die Authenzität, die den Geschäften rings herum als Verkaufsgrundlage dient. Kleider, Sonnenbrillen, Uhren und Torten. Was ist hier Business, was ist hier Punk?</p>
<p>Eine austauschbare Beliebigkeit oder eine Geisteshaltung im Umbruch, schaut man sich die neuen Helden an wie Audiolith, 1000Robota, Ja Panik Ja, die Stars der Kunst wie Jonathan Meese und Daniel Richter, an. Punk wird keine Antworten liefern, sondern sich nur die Vergangenheit und Gegenwart zu eigen machen und sie für eine Zeitlang verändern, bis sie wieder zitierfähig ist. Ein Thema der nächsten Business-Punk Ausgabe ist übrigens: Copy and Paste.</p>
<p><em>Zuerst veröffentlicht im <a href="http://www.spacedepartment.de/spacemag/2010/08/copy-and-paste/" target="_blank">Urban Space Magazin</a>.</em></p>
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		<title>&#8222;HÖFLICHKEIT IST HÄUSERKAMPF&#8220;</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Dec 2010 12:20:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svhi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ob beim Jaguar fahren, Airbus fliegen oder beim Herrenausstatter – für echte Gentlemen kommt es auf die Contenance an. Unbarmherzig zählt der Copilot die Höhenmeter runter: „250 Fuß, 100 Fuß, 50..“ Eisregen peitscht auf die Fenster des Cockpits, die Scheibenwischer &#8230; <a href="http://svhi.wordpress.com/2010/12/09/hoflichkeit-ist-hauserkampf/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=470&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><img title="039" src="http://www.tripmagazin.de/wp-content/uploads/2010/11/039.jpg" alt="039" width="539" height="384" /></div>
<h3><strong><span style="font-size:13px;">Ob beim Jaguar fahren, Airbus fliegen oder beim Herrenausstatter – für echte Gentlemen kommt es auf die Contenance an.</span></strong></h3>
<p><strong><span style="font-size:13px;"><span id="more-470"></span></span></strong></p>
<p>Unbarmherzig zählt der Copilot die Höhenmeter runter: „250 Fuß, 100 Fuß, 50..“ Eisregen peitscht auf die Fenster des Cockpits, die Scheibenwischer sind ausgefallen. Verdammt, irgendwie muss ich den A300 auf die Landebahn von Zürich runterbringen. Über 840 Tonnen Fluggewicht vibrieren unter dem Pilotensessel, gefährlich senkt sich die Tragfläche erst nach links, dann nach rechts. Wie aus dem Nichts taucht ein Feuerwehrwagen auf. Mit ungebremster Wucht kracht der Airbus in das Löschauto, um dann über das Rollfeld zu schlittern – erst kurz vor Ende der Piste kommt die Maschine mit einem mächtigen Rumms zum Stehen. Die Crew applaudiert. Mein Verlust: Ein paar Feuerwehrmänner. Der Gewinn: Ein Schulterklopfen. „Gar nicht mal so schlecht für den ersten Flug“, sagt Alex, der Trainer des Airbus-Simulators.</p>
<p><strong>Das Entree: Einen A300 fliegen</strong></p>
<p>Jack Daniel´s Gentleman-Training 2010. Wir sind auf dem Testgelände der Lufthansa am Frankfurter Flughafen. Hier darf sich jeder für eine halbe Stunde als Pilot fühlen, Anweisungen erteilen und die metallenen Vögel auf die Landebahnen von Zürich, Teheran und New York steuern. Der Flugsimulator ist der Auftakt, ein Entree aus dem Jack Daniels-Handbuch für Gentleman.</p>
<p>Über 5000 Männer wollten dieses Jahr am Gentleman-Wochenende teilnehmen. Fünf haben es geschafft: Thomas (37) aus Halle an der Saale, Software-Entwickler. Nico (29) aus Hamburg, kaufmännischer Angestellter. Volker (40), Politikwissenschaftler aus Wuppertal. Thomas (33) aus Frankfurt, Sachbearbeiter. Salvador (49) aus Ehringshausen, System Engineer.</p>
<p>Und ich. Journalist. Zugegeben, etwas skeptisch. Männerwochenende. Was soll das schon werden? Holzhacken, Frauen hinterher pfeifen, Wild erlegen? Alkoholseelige Verbrüderung an der Bar mit gemeinsamen Grölen? Oder ein metrosexueller Schminkkurs à la David Beckham?</p>
<p>Ein Buch wird uns geschenkt: „Der Gentleman – Plädoyer für eine Lebenskunst“ von Martin Scherer. Contenance, so lerne ich dort, ist die Kunst, in jeder Lebenslage Gelassenheit zu wahren. „Embedded journalism“ heißt das für mich, kritisch berichten, ohne die Objektivität zu verlieren.</p>
<p><strong>Understatement: Einen einzigartigen Jaguar fahren</strong></p>
<p>„Der Gentleman“, sagt Scherer, „ist jemand, der für sich selbst einen Maßstab gesetzt hat, um in dieser Welt mit Würde bestehen zu können.“ Schöne Worte. Doch um die Selbstbeherrschung ist es spätestens beim nächsten Programmpunkt des Gentleman-Training geschehen: Jaguar fahren. Und nicht irgendeinen. Sondern einen V12 aus der E-Typ-Serie, Baujahr 1971. Es gibt nur noch fünf Modelle weltweit. Und der hier ist eine Spezialanfertigung. 420 PS, Metallic-Lackierung. Wem das alles nichts sagt: Stellen Sie sich einfach ein einzigartiges Kunstwerk der Ästhetik auf vier Rädern vor. Trotz Rennmotor schwebt dieser Jaguar förmlich über dem schnöden Asphalt. Innerlich verfluche ich den Abbruch meines BWL-Studiums – Geld, so scheint die erste Lektion des Gentleman-Training, macht doch glücklich.</p>
<p>„Der Jaguar ist aus drei verschiedenen Serien zusammengemixt“, sagt Matthias Martinson, der Besitzer des V12. Während ich mich bemühe, nicht allzu debil grinsend das Gefährt – Auto ist für so einen Wagen nicht angemessen – durch die Frankfurter Innenstadt zu lenken, sitzt der perfekte Gentleman Matthias auf dem Beifahrersitz. Eine sportliche Lederjacke, die passende Cordhose. Die Farbe des Schals passt unauffällig gut mit den Socken zusammen, das Leder der Schuhe glänzt zurückhaltend. Das also ist Understatement. Ich versuche, meine Professionalität zu wahren.Wie kommt man zu so einem Auto? „Ich habe schon als kleiner Junge im Autoquartett den Jaguar E-Typ als Trumph gehabt.“ Aha. „Das ist mein Alltagsauto. Ich fahre noch ein Jaguar Coupe, eine Limousine und ein altes Norton Commando Motorrad.“ Ok, genug. Ich bin eifersüchtig.</p>
<p><strong>Contenance: Royal Flush im Cocoon Club</strong></p>
<p>Die vielleicht erstaunlichste Erkenntnis aus den Tagen mit Jack Daniel´s ist: Der durchschnittliche Gentleman-Anwärter 2010 trägt eine Brille, sein Hemd ist ordentlich in die Hose gesteckt und die Krawatte verdeckt einen kleinen Bauchansatz. Fast die Hälfte unserer Truppe wurde von ihren Partnerinnen angemeldet. Mann hat im Schnitt ein bis zwei Kinder und ruft alle paar Stunden seine Frau an, um sich zu erkundigen, wie es ihr geht.</p>
<p><a title="008" rel="fancybox" href="http://www.tripmagazin.de/wp-content/uploads/2010/11/008.jpg"><img title="008" src="http://www.tripmagazin.de/wp-content/uploads/2010/11/008-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a></p>
<p>Wenigstens einer gibt sich Mühe, aus dem Rahmen zu fallen: Ich. Während des Mittagessen räume ich fast das Drei-Gänge-Menü vom Tisch, als ich etwas zu ausladend vom Jaguar fahren erzähle. Nach der Bruchlandung im Flugsimulator halte ich plötzlich die Schachtel mit den Kotztüten in der Hand, an der ich mich unbemerkt festklammere. Abgerissen. Ups. Naja, ist ja Training.</p>
<p>„Diese Weicheier gehen nicht mit“, denke ich mir dann auch siegesgewiss am frühen Abend beim Pokertraining. Wir sitzen in der “Micro Bar“, das Edel-Restaurant im Frankfurter “Cocoon Club“. Endlich gibt es auch den Tennessee Whiskey, Jack Daniel´s serviert als Gentleman´s Sour mit Ahornsirup. Nicht schlecht. Ich bin bereit für die Marketing-Falle, will mich aber noch nicht ganz ergeben. Kritische Distanz.</p>
<p>Poker-Trainer Stefan Kalhamer doziert derweilen über das „instabile Optimum, beim Pokern und beim Leben“, das es zu beseitigen gilt. Tabellen und Berechnungen werden auf eine Flipchart geschrieben. Ein Paar mit zwanzigprozentiger Wahrscheinlichkeit bedeutet – ist ja wurscht denke ich mir, lass endlich anfangen. Meine Gentlemen-Mitstreitern hören konzentriert zu. Versuchen, das gelernte Wissen anzuwenden. Ich habe nur eine Vier und eine Sechs auf der Hand und gewinne trotzdem den Pott: durch einen Bluff. Ich lehne mich zurück, nippe am Gentleman´s Sour und höre wie Kalhamer über Pokerspieler spricht, die intuitiv spielen und deshalb auf lange Sicht nie gewinnen. Denkste, lach ich in mich hinein. Am Ende der Partie habe ich alles verloren und bestelle noch einen Drink.</p>
<p><strong>Höflichkeit: Ein Gentleman beim Schuhputzer</strong></p>
<p>Am nächsten Morgen steckt noch die aus einer langen Nacht resultierende Müdigkeit in meinen Knochen, ich bin zu spät. Dass der Rest der Truppe gutgelaunt beim Frühstücksbüffet sitzt, hebt meine Laune auch nicht gerade. Mögen Sie die perfekten Gentlemen sein, ich verkrieche mich hinter der Morgenzeitung. Frau müsste Mann sein: Das Model am Nachbartisch erscheint mit überdimensionierter Sonnenbrille und Jogginganzug zum Frühstück. Ihr Stylist bringt ihr Kaffee, und betütelt sie. „Die Welt ist nicht schlecht, nur weil einem gerade übel ist“, sagt der Gentleman-Führer zu solchen Situationen.</p>
<p>Kurz nach dem Frühstück geht’s mit dem Zug in Richtung Berlin. Die Städte im Vergleich sind wie die Rolling Stones: Frankfurt ist Mick Jagger, trinkt Champagner und kreist unablässig mit den Hüften um allen die Potenz zu beweisen. Berlin ist Keith Richards, leicht verblödet im Kopf von den Drogen, aber immer lässig und cool. Eine gute Gentleman-Mischung.</p>
<p>„Du stehst mir im Licht“, raunzt Rudolf van der Meer, der Königliche Schuhputzer, im Berliner Edel-Herrenausstatter Mientus. Das Kaufhaus geht über drei Stockwerke und ich habe mir stilsicher den Platz an der Sonne, besser: in der Sonne von van der Meer ausgesucht. Der fliegt schon mal nach Österreich und in die Schweiz, um die Schuhe seines betuchten Klientel zu putzen.</p>
<p><a title="202" rel="fancybox" href="http://www.tripmagazin.de/wp-content/uploads/2010/11/202.jpg"><img title="202" src="http://www.tripmagazin.de/wp-content/uploads/2010/11/202-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a></p>
<p>Das van Meer meine Schuhketten-Treter als „Projektarbeit im unregelmäßigen Anthrazit“ abtut, bringt selbst das distinguierte Personal zum Lachen. „Höflichkeit ist Häuserkampf“, höre ich den Gentleman-Ratgeber von Scherer in meinem Hinterkopf. „Der Gentleman hält eben nicht die Wange hin, sondern nur die Faust in der Tasche.“ Ich begnüge mich mit einem undefinierten Brummen und schaue mir van Meer genauer an: Schiebermütze über den stahlblauen Augen, ein sorgfältig nach oben gezwirbelter Schnurrbart. Vierzehn verschiedene Bürsten benutzt van der Meer, um meine Schuhe zu polieren. Mein Groll schmilzt.</p>
<p>Ein Stockwerk weiter oben kämpft Jack Daniels-Gewinner Volker, der freundliche Uni-Mitarbeiter, mit der Überzeugungskunst der Mitarbeiter vom Nobelkaufhaus Mientus. „Als Kind wurde ich immer in Cordhosen ausgelacht“, wehrt er sich gegen die Ratschläge. Dennoch wird er später kaufen. Ich hingegen kompensiere meinen Schuhputz-Schmach und schlüpfe lässig in Biker-Stiefel von Martin Margiela. Ein Traum. Dabei wird es aber auch bleiben: 500 Euro hat der Gentleman gerade nicht auf der Tasche. Zum zweiten Mal an diesem Wochenende, nach der Fahrt mit dem Jaguar, verfluche ich innerlich den Journalistenberuf. Das abgebrochene BWL-Studium!</p>
<p><strong>Timing: Die finale Whisky-Verkostung</strong></p>
<p>Understatement, Contenance, Höflichkeit: Ich habe sie erfahren und gelernt, die Regeln des Gentleman. Was jetzt noch fehlt, ist das richtige Timing. „Der Gentleman will zuallererst Herr seiner Selbst sein“, sagt der Ratgeber. Nun gut, wir werden sehen, gleich ist Whisky-Verkostung als Ende und Höhepunkt des Gentleman-Trainings. Ich mag Whisky. Sehr gerne sogar. Die geschmackliche Vielfalt, die ich kennen lerne, ist verblüffend.</p>
<p><a title="187" rel="fancybox" href="http://www.tripmagazin.de/wp-content/uploads/2010/11/187.jpg"><img title="187" src="http://www.tripmagazin.de/wp-content/uploads/2010/11/187-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a></p>
<p>Die „Galander Bar“ in Kreuzberg, Nähe Bergmannstraße. Leichte Klaviermusik im Hintergrund, Zigaretten werden mit Streichhölzern angezündet. Meine zweites Whisky-Tasting verläuft gut bis sehr gut: Die Mengen sind angemessen, das Getränk wird als Kunstwerk präsentiert.</p>
<p>Die Teilnehmer wahren auch hier Contenance – keiner betrinkt sich, alle sind vom Programm angetan. Der bewusste Genuss steht im Mittelpunkt. Hört sich langweilig an? Ist es aber nicht. Sie werden ihren Frauen zuhause von dem perfekten Gentleman-Wochenende erzählen. Und ich steige ins Taxi und fahre ins „Alt-Berlin“, um mir ein großes Bier vom Fass zu bestellen und ein bisschen Ramones zu hören. Denn auch das macht ein Gentleman, beschliesse ich.</p>
<p><em>Dieser Artikel ist im November 2010 zuerst auf <a href="http://www.tripmagazin.de/2010/11/„hoflichkeit-ist-hauserkampf“/" target="_blank">www.tripmagazin.de</a> erschienen.</em></p>
<p><em><strong>Fotos</strong></em>: <a href="http://www.miguelferraz.com/" target="_blank">Miguel Ferraz</a>.</p>
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		<title>Wir waren Helden</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Nov 2010 09:45:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svhi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[DJs wie Paul van Dyke trugen den Elektro-Sound von Berlin in die ganze Welt. Doch die Zeiten haben sich geändert: Die Ikonen der ersten Stunde füllen große Konzerthallen, während sich die Szene abgrenzt &#8211; durch Drogen und Exzesse. Der weiße &#8230; <a href="http://svhi.wordpress.com/2010/11/26/wir-waren-helden/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=423&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:left;"><strong><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2010/11/jakeboots.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-435" title="jakeboots" src="http://svhi.files.wordpress.com/2010/11/jakeboots.jpg?w=500&#038;h=547" alt="Jake the Rapper" width="500" height="547" /></a></strong></p>
<p style="text-align:left;"><strong>DJs wie Paul van Dyke trugen den Elektro-Sound von Berlin in die ganze Welt. Doch die Zeiten haben sich geändert: Die Ikonen der ersten Stunde füllen große Konzerthallen, während sich die Szene abgrenzt &#8211; durch Drogen und Exzesse.</strong><span id="more-423"></span></p>
<p>Der weiße Hase hat ein Problem. Er stellt die Schüssel mit dem Wackelpudding zur Seite und versucht, sich am Himmel zu orientieren. Bald geht die Sonne auf. Oder geht sie schon wieder unter? Seit Stunden wummert der Bass durch das Brachland vor den Toren Berlins. Irgendwo dort, auf einer Elektro-Party, zwischen Bar und Tanzfläche, verliert der Mann im überdimensionalen Rammler-Kostüm gerade den Überblick. Der MDMA-Wackelpudding tut sein Übriges.</p>
<p>Egal. Über zwölf Stunden tanzt Lars jetzt schon. Freitagabend hat er seine Verkleidung angezogen, unter der Woche arbeitet er als Systemadministrator bei einer großen Agentur. Die nächsten drei Tage wird er zwischen Ravern, Goa-Freaks und Minimal-Techno-Jüngern leben. Feiern, Drogen nehmen, flirten – und möglichst wenig schlafen. Lars der Hase, die blonde Anne im Bikini-Oberteil mit bunt-verspiegelter Sonnenbrille, sie sind hier, um sich zu amüsieren, manche von ihnen auch einfach nur auf der Suche nach schnellem Sex.</p>
<p><em>Elektronische Tanzmusik ist der kleinste gemeinsame Nenner im 21. Jahrtausend. Der vielleicht erfolgreichste Exportschlager „Made in Germany“. Ihre Helden Sven Väth, DJ Hell, Paul van Dyk und Westbam besitzen Clubs, eigene Modelabels oder veranstalten Massenevents wie die Mayday. Seit knapp zwei Jahren füllt nun auch die neue Generation um Paul Kalkbrenner große Mehrzweckhallen. Doch der Erfolg steigert auch den Erwartungsdruck. Um die Gier nach Neuem zu befriedigen, testet die Szene ihre Grenzen. Musikalisch wie körperlich.</em></p>
<p>Die Wegbeschreibung zur Party liegt erst wenige Tage vorher im Briefkasten. Eine kryptische Einladung, Koordinaten auf einem handbeschriebenen Papier. Es gibt keine Bushaltestelle nach Berlin, mit dem Auto geht es über einen Feldweg, der sich im Wald verliert. Wer das Efeu umrankte Tor findet, gelangt auf eine alte Apfelplantage. Dort, zwischen zwei kräftigen Bäumen thront eine DJ-Kanzel aus Holzbrettern. An den Ästen hängen Diskokugeln. Anne macht es sich mit einer Freundin auf der Spielwiese aus Heuballen bequem, Arm in Arm. Sie küssen sich.</p>
<p><em>Der Eintritt kostet den Verstand: Elfen huschen vorbei. Frauen mit Glitzerschminke im Gesicht, die mit einem Blitzen in den Augen zwischen den Bäumen verschwinden. Am Feuer sitzt die Teegesellschaft des verrückten Hutmachers aus „Alice im Wunderland“: Ein Mann im Bademantel und Sonnenbrille, mit sonst nichts an, erklärt einer Frau, dass er sich wie eine Schildkröte fühlt. Die Blondine nickt verständnisvoll. Der Obstgarten ist ein riesiger Spielplatz für Erwachsene. Alles scheint auf einmal möglich.</em></p>
<p><em>„</em><strong>Drogen sind die Einstiegsdroge in die Musik“</strong></p>
<p>„Entropy“, das zweite Gesetz der Thermodynamik, ist als Schriftzug quer über Jakes Bauch tätowiert. Man bringt Jake The Rapper, den Resident-DJ der legendären Bar 25 in Berlin, auf den ersten Blick nicht mit dem filigranen Sound zusammen, den er auflegt. Ein massiger Körper, Schwielen an den Händen. Die Goldkette mit „Jake“-Schriftzug baumelt über dem offenen Hemd, das Gesicht ist eingefasst von einem mächtigen Bart. Der Mann redet, wie er auflegt: Expressiv, manchmal schnell wie ein Maschinengewehr, abrupte Pausen, ungeahnte Gedankengänge. Und am Ende ergibt alles einen Sinn. „Alles fließt“, das esoterische Motto gilt auch und insbesondere für die Elektro-Szene.</p>
<p>Wie die meisten DJs ist Jake ein Nomade. Berlin ist dabei für sie die Homebase. Von hier aus starten sie in die Clubs der Welt: Freitags Zürich, am nächsten Tag Paris, am Sonntagabend dann wieder in Berlin. Für die Stars wie Paul Kalkbrenner heißen die Locations Rio de Janeiro, Moskau, New York. Auf der anderen Seite fallen jedes Wochenende tausende Feier-Touristen per Easyjet in die Hauptstadt ein. Das &#8222;Watergate&#8220;, das &#8222;Weekend&#8220; und der &#8222;Club der Visionäre&#8220; stehen inzwischen in jedem Reiseführer. Entropie, die Verlaufsrichtung der Wärme, strahlt von Berlin aus in die ganze Welt.</p>
<p><em>„Die Drogen“, sagt Jake, der gebürtige Amerikaner ist, „sind die Einstiegsdroge in die Musik.“ Soll heißen: Für viele ist der Beginn der Leidenschaft für Elektro mit Konsum verbunden. „Berlin Calling“, der Film mit Paul Kalkbrenner, zeigt auch die ständige Sucht der DJs nach Grenzerfahrungen, mehr Drogen, härteren Sex, längere Parties. Ein schmaler Grad. Wer übertreibt, vom Träumern zum Junkie wird, verliert die Kreativität, das wichtigste Element der elektronischen Musik. Auf der Tanzfläche ist das Publikum gnadenlos. Wer einmal ausgebuht wird, hat verloren. Eine zweite Chance gibt es für die DJs in den Tempeln der Szene, wie dem &#8222;Berghain&#8220;, nicht.</em></p>
<p>„<strong>Aus einer kleinen Subkultur ist die größte Musikbewegung der Welt geworden“</strong></p>
<p>Vor rund zwanzig Jahren entwickelte sich in Berlin einen Gesellschaftsentwurf. Im &#8222;Tresor&#8220;, dem Keller des ehemaligen Kaufhaus Wertheim, feierten sie zwischen aufgebrochenen Schließfächern und heruntergekommenen Toiletten den Beginn einer neuen Ära. Die Parties sind nicht so verspielt wie in der Frankfurter Szene um Sven Väth, nicht so House-lastig wie bei den internationalen Stars aus Detroit und England. Der &#8222;Tresor&#8220;. 2005 am Originalschauplatz in der Leipziger Straße dichtgemacht, war reduziert, ein Gerüst wie die Stadt. Schnell, hart, kompromisslos.</p>
<p><em>„Der Tresor ist eine Idee, kein Ort“, sagt Paul van Dyk heute. Der gelernte Nachrichtentechniker war in den 1990ern Resident-DJ in dem Club. Inzwischen ist er der Meister Proper des Techno: glatt und massentauglich. Doch Van Dyk lebt auf seine Art den Ausstieg aus dem sich immer schneller drehenden Elektro-Karusell. Länger als ein paar Jahre kann niemand von Freitag bis Dienstag feiern. Die Idee des Tresors, dass in der Dunkelheit der Nacht alle gleich sind, sieht Van Dyk universell: „Aus einer kleinen Subkultur ist die größte Musikbewegung der Welt geworden. Die Leute, die sich im Torre Geko (Costa Rica) versammeln, kennen und lieben diese Musik ebenso wie die in Moskau.“</em></p>
<p>Um Van Dyk ist ein Wirtschaftsimperium entstanden. Seine Alleinstellungsmerkmal ist Trance, Techno mit schwülstigen Synthesizern. Auf der Haben-Seite seiner Karriere stehen 3,5 Millionen verkaufte Platten, zweimal wurde er beim „Top 100 DJs Pool“ zum besten DJ des Jahres gewählt. Ab 30.000 Euro verdient man in seiner Liga. Pro Abend. Auf der Soll-Seite kommt dann lange nichts, der Mann hat so ziemlich jeden Elektro-Club der Welt bespielt. Durchdrehen? „Disziplin ist das Wichtigste. Ich kann auf Tour nicht schon am ersten Abend feiern gehen und dann durchhängen.“</p>
<p>„<strong>Berlin feiert, als ob niemand mehr eine Arbeit hat“</strong></p>
<p>Die Szene hat auf den wachsenden Starrummel reagiert: Aus den exzessiven Nächten im &#8222;Tresor&#8220; sind die 72-Stunden-Parties in unzähligen Clubs entstanden. Elektro ist in die Verlängerung gegangen und mithalten kann nur, wer sein Leben dem Exzess verschreibt<em>. </em>„Berlin feiert immer mehr, als ob niemand hier eine Arbeit hat“, sagt Nicole im Apfelgarten.</p>
<p>Sie steht neben Lars, dem Hasen, an der Tanzfläche. Inzwischen ist die Sonne aufgegangen und selbst Lars braucht jetzt eine kurze Auszeit. Mit ihrer grauen Jogginghose, einem schlapprigen T-Shirt unter dem ihr BH hervorblitzt, in gefütterten Stiefeln sieht Nicole aus, als wäre sie auf dem Weg zum Bäcker nebenan. Die 1,84 Meter Model ist in Ghana geboren, sie jobbt nebenbei im Kindergarten. Ihre Schönheit ist atemberaubend, doch plumpes Anbaggern ist hier nicht. Man hat Zeit, tanzt, flirtet. Vielleicht lernt man sich später kennen. Bei allem Exzess – auf den Parties herrscht das ungeschriebene Gesetz, dass unerlaubtes Anfassen verboten ist. Was wirkt wie der internationale Hedonisten-Treff, bietet so für Nicole den größtmöglichen Freiraum. Jeder kann sein, wie er ist, sich verkleiden, Drogen nehmen, stundenlang Tanzen. Vollgesoffene Jungs findet man hier nicht. Es ist diese Idee, welche die Elektroparties von dem Großraumevents mit Van Dyk unterscheiden. Wenn Nicole will, wird sie sich später jemanden für die Nacht suchen. Schnell und unproblematisch. Das Aufwachen kommt erst am nächsten Morgen. Am übernächsten Morgen vielleicht.</p>
<p>„<strong>Wackelpudding? Nee, lass mal“</strong></p>
<p>Der Soundtrack zum Durchhalten kommt von DJs wie Jake the Rapper. „Die Leute müssen sich Zeit nehmen, sich reinhören“, sagt Jake. „Es ist keine Instant-Konsum-Musik, keine Fertigsuppe. Die schmeckt nur nach Geschmacksverstärker. Wenn du wirklich Vollkost essen willst, dann musst du erst organisch einkaufen gehen, zubereiten und am Ende hast du etwas wirklich Gutes zu dir genommen. Ich suche Musik, die nahrhaft ist für die Seele.“</p>
<p><em>Kurz: Scooter ist die Instantsuppe, Paul van Dyk kommt vom Chinamann nebenan und die neue Generation Elektro ist der Biolieferservice. 24 Stunden an mindestens drei Tagen die Woche. Durchgehend.</em></p>
<p><em></em>Es ist die iPod-Generation, die auf diesen Parties tanzt. Man arbeitet in Werbeagenturen, ist Erzieher, Fotografen, Künstler. Alles irgendwie globalisiert und austauschbar. Aif ihrem Spielplatz neigt sich die Schaukel oft gefährlich, und mancher wird nicht mehr auf den Boden zurückkommen. Hedonismus ist, die Lust als höchstes Prinzip des Lebens anzuerkennen. Moral ist etwas, was nicht in die Szene passt.</p>
<p>„Wackelpudding?“, fragt Lars und hält die Schale hin. Die Hasenohren schlenkern um seinen Kopf. MDMA, eine Form von Ecstasy, bewirkt einen Rausch wie Verliebtsein: Von Freitag bis Dienstag bist du überzeugt, mit jedem auf der Welt klar zu kommen. Du und der Baum, so denkst du, ihr werdet auf ewig beste Freunde sein. Der Mann im Bademantel hebt kurz den Kopf, grinst, überlegt, schüttelt aber dann den Kopf. „Nein danke.“ &#8211; „Auch gut, willst du mit mir schlafen?“</p>
<p><em>Der Artikel ist in dem <a href="http://www.tripmagazin.de/2010/11/wir-waren-helden/" target="_blank">Trip-Magazin</a> November 2010 erschienen.</em></p>
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		<title>Modulux-Magazin Erstausgabe</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Oct 2010 20:02:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svhi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film, Musik und Kunst]]></category>

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		<title>Warten auf den letzten Coup</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Oct 2010 10:30:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svhi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Arabische Halbinsel]]></category>
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		<category><![CDATA[Oman]]></category>
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		<category><![CDATA[Sultan Quabus]]></category>

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		<description><![CDATA[Sultan Quabus führt den Oman als Alleinherrscher. Nun feiert er seinen 70. Geburtstag. Wer von den Gästen sein Nachfolger wird, ist noch Staatsgeheimnis. Die Vorbereitungen für das große Fest laufen auf Hochtouren. Am 18. November 2010 feiert seine Majestät Sultan &#8230; <a href="http://svhi.wordpress.com/2010/10/21/warten-auf-den-letzten-coup/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=380&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2010/10/hires_080405-f-6655m-1063.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-404" title="Seine Majestät Quabus mit Robert Gates im Jahr 2008" src="http://svhi.files.wordpress.com/2010/10/hires_080405-f-6655m-1063.jpg?w=500&#038;h=372" alt="" width="500" height="372" /></a></p>
<p><strong>Sultan Quabus führt den Oman als Alleinherrscher. Nun feiert er seinen 70. Geburtstag. Wer von den Gästen sein Nachfolger wird, ist noch Staatsgeheimnis</strong>.</p>
<p><span id="more-380"></span>Die Vorbereitungen für das große Fest laufen auf Hochtouren. Am 18. November 2010 feiert seine Majestät Sultan Quabus Bin Said seinen 70. Geburtstag. Es gibt keinen unter den knapp drei Millionen Omanis, so scheint es, der dem Herrscher nicht wohlwollend gratulieren würde. Die Untertanen sind zufrieden: Quabus hat das Land geeint unde dessen Reichtum an Öl und Gas in Wohlstand verwandelt. Niemand stellt daher gern die Frage nach seiner Nachfolge. Eigentlich soll alles so weitergehen, seits Quabus Sultan ist, wurde es ja stetig besser. Dabei hat alles mit einem Umsturz begonnen.</p>
<p>Als Quabus seinen Vater am 23. Juli 1970 vom Thron ins Exil jagt, herrscht in dem Land am östlichen Ende der Arabischen Halbinsel ein loser, mittelalterlicher Stammesverband unter britischer Aufsicht. Blutige Machtkämpfe bestimmen den Alltag der nomadischen Bergvölker und der Fischer an der Küste. Die staatliche Fürsorge besteht aus drei Knabenschulen und einem Krankenhaus &#8211; in einem Land, das fast so groß ist wie Deutschland. Auslandsreisen sind Omanis ebenso verboten wie das Hören von Musik oder das Tragen von Sonnenbrillen.</p>
<p>Der in England ausgebildete Quabbus tritt mit der Vision an, das Land zu modernisieren, ohne traditionelle Werte zu vernachlässigen. Den Reichtum aus der Ölförderung nutzt er, um im Land ganzen Land Stromkabel verlegen zu lassen. Er führt eine kostenlose medizinische Grundversorgung ein und schafft ein flächendeckendes Schulsystem. Es entsteht ein traditionelles Herrschaftssystem mit einer modernen Verwaltung. Auch wenn der Sultan zugleich als Ministerpräsident, Außen-, Finanz- und Verteidigungsminister fungiert, bezeichnen die Vereinten Nationen den Oman als &#8222;Musterstaat in der arabischen Welt&#8220;.</p>
<p>Während die Hauptstraßen von Maskat für den Parademarsch vorbereitet werden, schlagen Analysten jedoch Alarm. &#8222;In weniger als einer Generation muss die Volkswirtschaft neu aufgestellt werden&#8220;, urteilt der Wirtschaftsdienst Germany Trade &amp; Invest. Zu groß sei die Abhängigkeit vom Öl, das noch 60 Prozent der Exporteinnahmen ausmacht. Selbst nach positiven Schätzungen werden die Ölquellen in spätestens 20 Jahren versiegen. Um so wichtiger ist die Frage der Nachfolge des Monarchen: Bislang hat Quabus &#8211; kinderlos und geschieden &#8211; niemanden zum Thronfolger aufgebaut. Möglich, das er zögert, um Streitigkeiten innerhalb der Herrscherfamilie zu vermeiden. Formal ist alles eindeutig geregelt: In dem 1996 erlassenen Grundgesetz hat Quabus die Nachfolge auf den engeren männlichen Familienkreis begrenzt. Wenn der Sultan stirbt, hat der Familienrat drei Tage Zeit, einen Nachfolger zu bestimmen. Für den Fall, dass es zu keiner Einigung kommt, hat Quabus vorgesorgt: Er hat bereits einen Brief hinterlegt, in dem der Name seines Wunschkandidaten steht. Es wäre sein letzter großer Coup.</p>
<p><em>Erschienen in zenith &#8211; Zeitschrift für den Orient, 3/2010.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/svhi.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/svhi.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/svhi.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/svhi.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/svhi.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/svhi.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/svhi.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/svhi.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/svhi.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/svhi.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/svhi.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/svhi.wordpress.com/380/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/svhi.wordpress.com/380/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/svhi.wordpress.com/380/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=380&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Imam-Ausbildung an Hochschulen: Deutschland sucht den Super-Imam</title>
		<link>http://svhi.wordpress.com/2010/09/28/imam-ausbildung-an-hochschulen-deutschland-sucht-den-super-imam/</link>
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		<pubDate>Tue, 28 Sep 2010 11:20:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svhi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung Imam]]></category>
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		<category><![CDATA[Deutsche Islamkonferenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Patrick Francke]]></category>
		<category><![CDATA[Rauf Ceylan]]></category>
		<category><![CDATA[Uni Osnabrück]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsrat]]></category>

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		<description><![CDATA[Brückenbauer zwischen Religion und Gesellschaft sollen sie sein: Imame, die bald an deutschen Hochschulen ausgebildet werden. Bis es soweit ist, gibt es noch jede Menge offener Fragen zu klären. In Malaysia ist man schon ein Stück weiter als in Deutschland. &#8230; <a href="http://svhi.wordpress.com/2010/09/28/imam-ausbildung-an-hochschulen-deutschland-sucht-den-super-imam/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=358&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2010/09/1551239134_a046027774_o1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-361" title="Foto: Erik Nehring" src="http://svhi.files.wordpress.com/2010/09/1551239134_a046027774_o1.jpg?w=500&#038;h=333" alt="" width="500" height="333" /></a></p>
<p><strong>Brückenbauer zwischen Religion und Gesellschaft sollen sie sein: Imame,  die bald an deutschen Hochschulen ausgebildet werden. Bis es soweit ist,  gibt es noch jede Menge offener Fragen zu klären.</strong><span id="more-358"></span></p>
<p>In Malaysia ist man schon ein Stück weiter als in Deutschland. Mit  überwältigendem Erfolg wird dort derzeit per Castingshow der »<a href="http://english.aljazeera.net/news/asia-pacific/2010/07/2010731503766963.html" target="_blank">Imam  Muda</a>«, der »junge Imam«, gekürt. Die männlichen Kandidaten zwischen 19  und 27 Jahren müssen vor den Augen von Millionen Zuschauern lernen, wie  man Leichen wäscht und richtig betet. Dem Gewinner winkt ein Job als  Vorbeter an einer Moschee in der Hauptstadt Kuala Lumpur – die Verlierer  bekommen immerhin ein Apple-Laptop.</p>
<p>Ein Imam für Berlin-Neukölln, gewählt in einer TV-Show? So  weit ist Deutschland noch lange nicht. Schon die Empfehlungen des  Wissenschaftsrats, der Bund und Länder in Fragen zu Wissenschaft und  Forschung berät, versetzte Anfang dieses Jahres die heimische  Hochschulwelt in Aufregung: Zwei bis drei staatliche Universitäten  sollen Zentren für »Islamische Studien« einrichten, um Lehrer für den  bekenntnisorientierten Religionsunterricht und Imame auszubilden.</p>
<p>Finanziert werden die neuen Zentren voraussichtlich von Bund  und Ländern. Es geht um Lehrstühle und Fördermittel, Millionen liegen  in der Luft. Knapp ein Dutzend Universitäten haben bereits Interesse  angemeldet; die Universität Osnabrück will den »<a href="http://www.islamische-religionspaedagogik.uni-osnabrueck.de/" target="_blank">Bachelor Imam</a>«  spätestens ab dem Jahr 2012 anbieten.<br />
Bedarf ist da. Der Osnabrücker  Islamwissenschaftler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rauf_Ceylan" target="_blank">Rauf Ceylan</a> geht davon aus, dass nur knapp zehn  Prozent der Imame hierzulande die deutsche Sprache einigermaßen  beherrschen. Angesichts von über vier Millionen Muslimen in Deutschland  sind sie eine Minderheit innerhalb der Minderheit. Zugleich verfügt die  »Person, die vorne steht« – so die Übersetzung des arabischen imam –  über viel Einfluss. Knapp 600.000 Muslime gehen in Deutschland jeden  Freitag zum Gemeinschaftsgebet, bei dem auch politisch gepredigt wird.</p>
<p><strong>Schiller statt Dschihad</strong></p>
<p>Doch der Imam ist viel mehr als nur Vorbeter. Er wird auch  gerufen, um Eheprobleme zu schlichten, bei Behördengängen zu helfen, und  oft ist er auch für Erziehungsfragen zuständig. Ein Sozialarbeiter im  religiösen Gewand.<br />
Die Vorschläge der <a href="http://www.deutsche-islam-konferenz.de/cln_117/SubSites/DIK/DE/Startseite/home-node.html?__nnn=true" target="_blank">Deutschen Islamkonferenz  (DIK)</a>, die die Anregungen des Wissenschaftsrats umsetzen soll, werden in  den islamischen Gemeinden einiges ändern: Geplant sind eine Ausbildung  auf Deutsch, eine Unterweisung in deutschem Recht und eine kritische  Auseinandersetzung mit der eigenen Religion. Hinter den Plänen schwingt  die Idee mit, dass die Imame als Moralverstärker der deutschen  Gesellschaft helfen können. Ein klassisches deutsches Ideal: Bildung  gegen Extremismus – Schiller statt Dschihad.</p>
<p>Doch die Idee des »Imam made in Germany« stößt nicht nur auf  Gegenliebe: Da wäre zum Beispiel die <a href="http://www.ditib.de/" target="_blank">DITIB</a>, der größte Einzelverband  der Muslime in Deutschland, der Geld und Imame von der türkischen  Religionsbehörde Diyanet spendiert bekommt. Ihre Funktionäre beäugen die  Bemühungen deutscher Universitäten skeptisch. Schließlich werden  bislang knapp drei Viertel der in Deutschland tätigen Imame aus der  Türkei »importiert«, viel Einfluss steht auf dem Spiel. Ob es gelingen  wird, die »Fernsteuerung« aus Ankara langfristig zu unterbinden?</p>
<p>Der Bamberger Islamwissenschaftler <a href="http://svhi.wordpress.com/2010/09/18/imam-ausbildung-in-deutschland-naturlich-wird-es-eine-einfluss-nahme-geben/" target="_blank">Patrick Franke</a> glaubt,  diese Frage sei noch nicht entschieden. Er stellt zugleich die Frage  nach den Berufsaussichten der Absolventen: »Es ist noch gar nicht  geklärt, ob die Absolventen des neuen Faches von den Gemeinden und  Moschee-Vereinen auch wirklich akzeptiert und als Imame eingestellt  werden.« Dabei soll den islamischen Gemeinden ein Mitspracherecht bei  der Imam-Ausbildung eingeräumt werden. Es wird entsprechende Beiräte  geben, in denen die islamischen Verbände sowie muslimische  Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Theologen aus dem Ausland  vertreten sein sollen.</p>
<p><strong>Die Basis hüllt sich in Schweigen</strong></p>
<p>Doch die Basis hüllt sich bislang in Schweigen. Keine  Diskussionen dringen aus den Moscheen, keine Muslime schreiben erregte  Leserbriefe an Zeitungen. Verschiedene Imame, die um eine Stellungnahme  gebeten wurden, wollten sich gegenüber zenith nicht äußern. Diejenigen  Muslime, die sich bislang in der Öffentlichkeit zum Thema geäußert  haben, begrüßen zwar die Vorschläge des Wissenschaftsrats. Doch präzise  Vorschläge zur inhaltlichen Ausrichtung der Studiengänge scheint es von  ihnen vorerst offenbar nicht geben.</p>
<p>Dabei sind selbst grundlegende Fragen noch ungeklärt: Wie  werden die neuen Imame mit der sunnitischen und der schiitischen  Richtung des Islams umgehen? Ist die Toleranz der deutschen Gesellschaft  beispielsweise gegenüber Homosexuellen mit der konservativen  Ausrichtung vieler Gemeinden vereinbar? Man darf gespannt sein, wer sich  als erstes zu solchen heiklen Fragen äußern wird.</p>
<p>Fest steht nur, die ersten neuen Imame werden öffentliche  Personen sein. Wie bei »Deutschland sucht den Superstar« werden die  Medien ihr Verhalten beobachten und kommentieren. Und es ist  entscheidend, dass sich die Gemeindemitglieder in die Diskussion  einmischen. Nur wenn die Bedürfnisse und Wünsche der Basis gehört  werden, kann der Bachelor-Imam ein Erfolg werden. Sonst predigt der  Super-Imam in leeren Moscheen.</p>
<p>Zuerst veröffentlicht auf <a href="http://www.zenithonline.de/kultur/gesellschaft/?article=882&amp;cHash=87a02067e7" target="_blank">zenith-online</a>.</p>
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			<media:title type="html">Foto: Erik Nehring</media:title>
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	</item>
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		<title>Imam-Ausbildung in Deutschland: &#8222;Natürlich wird es eine Einfluss- Nahme geben&#8220;</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Sep 2010 12:06:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svhi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung Imam]]></category>
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		<category><![CDATA[Islam]]></category>
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		<category><![CDATA[Universität Bamberg]]></category>
		<category><![CDATA[Universität Münster]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsrat]]></category>

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		<description><![CDATA[Derzeit sorgt der Vorschlag des Wissenschaftsrats, an deutschen Universitäten Zentren für »Islamische Studien« einzurichten, für Aufruhr. Islamwissenschaftler Patrick Franke über die mögliche Einflussnahme islamischer Beiräte und die Gefahren für das schon bestehende Fach Islamwissenschaft. zenith: Herr Franke, der Wissenschaftsrat fordert &#8230; <a href="http://svhi.wordpress.com/2010/09/18/imam-ausbildung-in-deutschland-naturlich-wird-es-eine-einfluss-nahme-geben/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=329&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2010/09/005_2a.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-334" title="Sven H." src="http://svhi.files.wordpress.com/2010/09/005_2a.jpg?w=500&#038;h=333" alt="" width="500" height="333" /></a>Derzeit sorgt der Vorschlag des  Wissenschaftsrats, an deutschen Universitäten Zentren für »Islamische  Studien« einzurichten, für Aufruhr. Islamwissenschaftler Patrick Franke  über die mögliche Einflussnahme islamischer Beiräte und die Gefahren für  das schon bestehende Fach Islamwissenschaft.</strong></p>
<p><strong><span id="more-329"></span>zenith</strong>: Herr Franke, der Wissenschaftsrat fordert mit den  »Islamischen Studien« ein neues Fach neben den bestehenden  Islamwissenschaften. Ist eine Neuausrichtung der Islamwissenschaften  nicht ausreichend?</p>
<p><strong>Franke</strong>: Der Wissenschaftsrat will das Fach »Islamische  Studien« als ein Bekenntnis-gebundenes, theologisches Fach an den  deutschen Universitäten etablieren. Der Studiengang soll muslimische  Gläubige auf ihre Tätigkeit als islamische Religionslehrer oder Imame in  der Moschee vorbereiten. Damit die Absolventen der »Islamischen  Studien« auch von den muslimischen Gläubigen akzeptiert werden, sollen  diese ein Mitspracherecht an der inhaltlichen Ausgestaltung der  jeweiligen Studiengänge und der Besetzung der relevanten Professuren  erhalten. Das soll mit Hilfe von Beiräten erfolgen, in denen die  deutschen muslimischen Verbände vertreten sind. Außerdem werden noch  muslimische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und muslimische  Theologen aus dem Ausland in den Beiräten sitzen. Dies ist natürlich ein  ganz anderes Modell als bei der Islamwissenschaft: Die  Islamwissenschaft ist bei der Ausgestaltung ihrer Studiengänge und der  Besetzungspolitik nicht an die Vorgaben von religiösen Gruppen gebunden,  sondern entscheidet völlig frei. Die Islamwissenschaft muss auf der Hut  sein, dass ihr diese Freiheit zukünftig nicht verloren geht.</p>
<p><strong>zenith</strong>: Sie sagen, dass die Islamwissenschaft auf der Hut sein  muss. Was meinen Sie damit?</p>
<p><strong>Franke</strong>: Es besteht die Gefahr, dass bei einer solchen Konstruktion  die Islamwissenschaft, die mit dem neuen Fach zusammenarbeiten soll, ins  Fahrwasser der muslimischen Verbände gerät. Besser und weniger  konfliktreich wäre es, wenn die neuen Zentren, wie es bei dem »Zentrum  für Religiöse Studien« in Münster der Fall ist, als außerfakultäre  Einrichtungen geführt werden, die der Hochschulleitung direkt  unterstellt sind. Damit der fundamentale Unterschied zwischen den beiden  Fächern nach außen hin deutlich wird, sollte das neue Fach auch  »Islamische Theologie« heißen, und nicht »Islamische Studien«. Sonst  besteht bei Übersetzungen, etwa ins Englische, die Gefahr der  Verwechselung.</p>
<p><strong>zenith</strong>: Also auch keine Eingliederung der »Islamischen Studien«  beispielsweise in die philosophische Fakultät, wie es der  Wissenschaftsrat fordert?</p>
<p><strong>Franke</strong>: Der Wissenschaftsrat sagt, dass es zurzeit die angemessene  Lösung ist, die neuen Zentren in die philosophischen oder  kulturwissenschaftlichen Fakultäten zu verankern. Das halte ich aber für  völlig verfehlt, denn diese Fakultäten leben von ihrer Freiheit  gegenüber der Religion. Der Name»Islamische Studien« verschleiert, dass  es sich in Wirklichkeit um ein theologisches Fach handelt, das an einer  geisteswissenschaftlichen Fakultät nichts zu suchen hat. Ihre  epistemologischen Grundlagen sind von den dort vorherrschenden  grundverschieden.</p>
<p><strong>»Theologisches Fach hat einer geisteswissenschaftlichen  Fakultät nichts zu suchen«</strong></p>
<p><strong>zenith</strong>: Sind die deutschen Universitäten überhaupt dazu in der  Lage, einen »Bachelor Imam« auszubilden?<strong> </strong></p>
<p><strong>Franke</strong>: Bildungsministerin Schavan hat angekündigt, die  Universitäten bei der Umsetzung der Empfehlungen des Wissenschaftsrates  zu unterstützen. Insofern gehe ich davon aus, dass es nicht an den  notwendigen Finanzmitteln fehlen wird. Mehrere Universitäten, darunter  Heidelberg, Tübingen, Freiburg, Münster, Osnabrück und Erlangen,  arbeiten gerade an Plänen für den Aufbau von Einrichtungen mit mehreren  Professuren für »Islamische Studien«. Probleme können vor allem dann  auftreten, wenn der Aufbau dieser Einrichtungen zu schnell betrieben  wird. Dann besteht die Gefahr, dass in großer Eile Personen auf die  neuen Professuren berufen werden, die dafür gar nicht genügend  qualifiziert sind.</p>
<p><strong>zenith</strong>: Gerade  dieser relativ straffe Zeitplan verwundert. So hat die Universität  Münster angekündigt, bis 2012 die ersten »Bachelor-Imame« auszubilden.  Ist das nicht eher ein Feigenblatt, wenn sich die Frage stellt, wer  solch hoch qualifizierten und teuren Imame später einstellen soll? Und  werden die Gemeinden die Imame überhaupt akzeptieren?</p>
<p><strong>Franke</strong>: Es ist in der Tat noch gar nicht geklärt, ob die Absolventen  des neuen Faches von den Gemeinden und Moschee-Vereinen auch wirklich  akzeptiert und als Imame eingestellt werden. Die DITIB  (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) zum Beispiel, die  in Deutschland die meisten Moscheen unterhält, hat schon angekündigt,  ihre Imame weiter aus der Türkei »importieren« zu wollen. Das ist aber  gerade der Punkt, der mit der Einführung des neuen Faches in Deutschland  verhindert werden soll. Der Gedanke ist: Die Leute, die hier in den  Moscheen predigen und auf die muslimischen Gläubigen einwirken, sollen  auch an deutschen Universitäten ausgebildet werden, damit die  »Fernsteuerung« aus Ankara irgendwann aufhört und eine wirkliche  Integration der Muslime stattfinden kann. Ob diese Rechnung aufgeht,  wird sich zeigen.</p>
<table style="height:160px;" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" width="500">
<tbody>
<tr>
<td width="614" valign="top"><strong><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2010/09/franke.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-341 alignleft" title="franke" src="http://svhi.files.wordpress.com/2010/09/franke.jpg?w=150&#038;h=145" alt="" width="150" height="145" /></a></strong></p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"><strong>Patrick Franke</strong></p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;">ist Inhaber des Lehrstuhls für Islamwissenschaft an der Universität Bamberg. Nach seiner Promotion im Fach Islam Wissenschaft 1999 in Bonn, lehrte er u.a. in Hamburg, Leipzig, Halle und Jena.</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong>zenith</strong>: Besteht aber nicht auch bei den »Islamischen Studien« die  Gefahr, dass die Beiräte versuchen, auf die Ausrichtung des Studiengangs  Einfluss zu nehmen?</p>
<p><strong>Franke</strong>: Natürlich wird es eine Einflussnahme geben, die ist aber  auch intendiert. Das Verhältnis zwischen den Zentren für Islamische  Studien und den muslimischen Beiräten soll ähnlich aussehen wie  dasjenige zwischen den christlich-theologischen Fakultäten und den  Kirchen, damit Symmetrie herrscht.</p>
<p><strong>»Muslime haben ein Recht auf ähnlichen Bestandsschutz wie  die christlichen Kirchen«</strong></p>
<p><strong>zenith</strong>: Eine Symmetrie, die eigentlich dem humanistischen Ideal  widerspricht, dass Staat und Religion getrennt werden sollten. Stimmen  Sie dem zu?</p>
<p><strong> Franke</strong>: Im strengen Sinne schon. Aber Deutschland ist ja, anders als  Frankreich, in Wirklichkeit nur ein teil-säkularisierter Staat. Kirche  und Staat sind nicht völlig getrennt, sondern arbeiten in vielfältiger  Form zusammen. Der Staat sammelt für die Kirchen die Kirchensteuer ein,  die Kirchen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und können damit  zum Teil staatliche Aufgaben übernehmen. Die komplexen  Rechtsbeziehungen zwischen Staat und Kirchen sind im  Religionsverfassungs- und Staatskirchenrecht geregelt, das durch  Konkordat und Landeskirchenverträge ergänzt wird. Die  christlich-theologischen Fakultäten genießen durch diese Verträge, ja  zum Teil sogar durch die Landesverfassungen, Bestandsschutz. Da ist es  ein Gebot der Gerechtigkeit, dass man auch den Muslimen in Deutschland  ähnliche Rechte einräumt.</p>
<p><strong>zenith</strong>: Rechte, die sich aber auch schnell in eine Pflicht wandeln  können. Sehen Sie in der geplanten Ausbildung von Imamen an deutschen  Universitäten die Tendenz eines Zwangs zur »Verkirchlichung« für den  Islam?<strong> </strong></p>
<p><strong>Franke</strong>: Ja, in gewisser Weise schon. Der Staat erwartet von den  eingewanderten Muslimen, dass sie sich in die bestehenden rechtlichen  Verhältnisse einordnen und sich dementsprechend wie Kirchen  organisieren. In den Sozialwissenschaften nennt man das »institutional  channelling«.</p>
<p><strong>zenith</strong>: Und welchen Vorteil hat eine deutsche Universität davon,  den neuen Studiengang anzubieten?</p>
<p><strong>Franke</strong>: Universitäten können sich fraglos in ganz Deutschland und  international einen Namen machen, wenn sie sich als angesehene Zentren  für islamisch-theologische Forschung und Lehre etablieren. Daneben  locken natürlich auch die in Aussicht gestellten Fördermittel von Bund  und Ländern.</p>
<p>Das Interview wurde zuerst in der <a href="http://www.zenithonline.de/kultur/interview/?article=874&amp;cHash=854f12da05" target="_blank">zenith </a>veröffentlicht.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/svhi.wordpress.com/329/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/svhi.wordpress.com/329/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/svhi.wordpress.com/329/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/svhi.wordpress.com/329/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/svhi.wordpress.com/329/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/svhi.wordpress.com/329/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/svhi.wordpress.com/329/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/svhi.wordpress.com/329/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/svhi.wordpress.com/329/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/svhi.wordpress.com/329/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/svhi.wordpress.com/329/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/svhi.wordpress.com/329/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/svhi.wordpress.com/329/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/svhi.wordpress.com/329/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=329&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Auch Nelson Mandela unterstützt</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 17:09:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svhi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Wiesbaden]]></category>
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		<description><![CDATA[STUDENTENHILFE: Vom Wiesbadener Westend aus agiert der World University Service. Man erkennt Kambiz Ghawami nicht auf der Straße. Er ist kein Star wie, sagen wir, Shakira. Der gebürtige Iraner ist auch kein Politiker wie Nelson Mandela. Ghawami ist Vorsitzender des &#8230; <a href="http://svhi.wordpress.com/2010/08/12/auch-nelson-mandela-unterstutzt/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=316&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2010/08/steinmeier.jpg"></a><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2010/08/kohler.jpg"><br />
</a><a href="http://svhi.files.wordpress.com/2010/08/kohler1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-326" title="Mit Bundespräsident Horst Köhler in Vietnam 2007. Dr. Ghawami ist der dritte von links mit der roten Krawatte" src="http://svhi.files.wordpress.com/2010/08/kohler1.jpg?w=500&#038;h=332" alt="" width="500" height="332" /></a><br />
STUDENTENHILFE:   Vom Wiesbadener Westend aus agiert der  World University Service.<span id="more-316"></span> </strong></p>
<p>Man erkennt Kambiz Ghawami nicht auf der Straße. Er ist kein Star wie,  sagen wir, Shakira. Der gebürtige Iraner ist auch kein Politiker wie  Nelson Mandela. Ghawami ist Vorsitzender des <a href="http://www.wusgermany.de/" target="_blank">World University Service</a> (WUS). Der Verein hilft ausländischen Studierenden in Deutschland. Sein  Büro ist im Wiesbadener Westend, in der Goebenstraße 35.</p>
<p>Doch wenn Shakira und Mandela als Botschafter für mehr Bildung  auftreten, werben sie für Projekte von Ghawami. Bei dem unauffälligen  Mann mit der Brille und der immer akkurat gebundenen Krawatte laufen  viele Fäden der internationalen Politik zusammen. „Ein Netzwerker“,  nennen ihn Kollegen.</p>
<p><strong> Fernstudium ermöglicht </strong></p>
<p>„Wir arbeiten in über fünfzig Ländern“, sagt Ghawami. „Der WUS ist nicht  politisch oder konfessionell gebunden, sondern versteht sich als eine  Gemeinschaft von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern im  Bildungssektor.“ Einer dieser Studenten war auch Nelson Mandela. Während  seines <a href="http://www.exil-club.de/html/30_projekte/32_projekte_02/biografien/mandela/gefangen.htm" target="_blank">Gefängnisaufenthaltes </a>in Robben Island hat ihm der WUS ein  Fernstudium ermöglicht.</p>
<p>In Deutschland hilft der WUS, wenn ausländische Studenten Probleme mit  den Behörden haben. Bei der Wohnungssuche. Mit drei Auszubildenden und  15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisiert Ghawami den Alltag des  Vereins: Bildungskampagnen an deutschen Schulen, eine Konferenz für  Entwicklungsarbeit vorzubereiten. Ein chinesischer Student hat Probleme  mit dem Ausländeramt.</p>
<p>„Wir fördern aber auch die Rückkehr der Studenten in ihre Heimat nach  Asien, Afrika und Südamerika. Sie sind die besten Entwicklungshelfer,  die man sich vorstellen kann“, sagt Ghawami. Der WUS spendiert ihnen  oftmals Startkapital und Kontakte. So werden aus Studenten Minister,  Botschafter und Wirtschaftsbosse.</p>
<p>Der Verein nutzt das Netzwerk aus Ehemaligen. Allein in Deutschland hat  er 280 Mitglieder und einen Jahresumsatz von 2,6 Millionen Euro. Er  unterstützt Schwellenländer bei dem Aufbau eines demokratischen Rechts-  und Schulsystem an. Der WUS organisiert unbürokratische Hilfe bei  Krisen. Wie bei dem Erdbeben in Chile. Schließlich ist die vorherige  Präsidentin <a href="http://www.daad.de/alumni/netzwerke/vip-galerie/lateinamerika/12780.de.html" target="_blank">Bachelet </a>eine alte Bekannte: Seit ihrem Studium in  Deutschland ist sie dem WUS verbunden.</p>
<p>Hessen liegt Ghawami dabei besonders am Herzen. „Gerade war ich in  Vietnam mit Eintracht Frankfurt unterwegs.“ Im Rahmen des <a href="http://www.hessen.de/irj/HMdJ_Internet?uid=93f708b0-11ed-1621-f012-f31e2389e481" target="_blank"> Freundschaftsjahres </a>2010 unterstützt der WUS einen Austausch zwischen  hessischer und vietnamesischer Wirtschaft, Universitäten und eben auch  Fußballvereinen. Für die Eintracht erschließt sich so ein riesiger  Markt, zu dem es sonst kaum Zugang gibt. Den Kontakt hat ein  WUS-Mitglied hergestellt, der heute in der vietnamesischen Regierung  sitzt.</p>
<p>„Es ist unsere Philosophie, direkt über Menschen zu gehen“, sagt  Ghawami. „Jeder kann Mitglied werden, jeder kann helfen.“ Und dann muss  er sich wieder verabschieden. Ein Anruf aus Südafrika.</p>
<p>Zuerst erschienen im<a href="http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/meldungen/9251479.htm" target="_blank"> Wiesbadener Kurier</a> am 12.08.2010.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/svhi.wordpress.com/316/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/svhi.wordpress.com/316/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/svhi.wordpress.com/316/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/svhi.wordpress.com/316/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/svhi.wordpress.com/316/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/svhi.wordpress.com/316/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/svhi.wordpress.com/316/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/svhi.wordpress.com/316/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/svhi.wordpress.com/316/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/svhi.wordpress.com/316/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/svhi.wordpress.com/316/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/svhi.wordpress.com/316/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/svhi.wordpress.com/316/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/svhi.wordpress.com/316/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=svhi.wordpress.com&amp;blog=10861043&amp;post=316&amp;subd=svhi&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Mit Bundespräsident Horst Köhler in Vietnam 2007. Dr. Ghawami ist der dritte von links mit der roten Krawatte</media:title>
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